„Fast wie ein Klassentreffen“
HAMM ▪ Die Kunst „aufzuhören, wenn’s am schönsten ist“, beherrschen die bisherigen Betreiber des „Louis“ an der Oststraße, wie sich am Freitagabend bei ihrer letzten Blues-Session zeigte. Hartmut Weiß und Jutta Elbers verabschiedeten sich von den Liebhabern des Zwölf-Takt-Schemas mit einem fulminanten Abschlussparty-Konzert, das den zukünftigen Chefs das Weiterbestehen der erfolgreichen Reihe zwingend nahelegte. Von Werner Lauterbach
Und tatsächlich waren Norbert Richter und Ghaleb Eid angesichts rappelvoller Kneipe und großartiger Stimmung beeindruckt genug, um positive Signale in Richtung der „Louis Blues Band“ zu senden. Die Hauskapelle eröffnete den Abend gewohnt knackig und kompensierte locker das Fehlen des etatmäßigen Bassisten. Wenn nötig, erhielt Stellvertreter „Rolle“ vom Nebenmann dezente Fingerzeige, so dass alles von Solomon Burkes Liebespredigt „Everybody needs somebody to love“ bis „Jailhouse Rock“ rund lief. Die frisch gepresste CD der Band wurde präsentiert und von fachkundigen Kollegen und Gästen begutachtet.
Derweil hatten die zahlreichen Session-Kandidaten ihre Instrumente gestimmt und im lockeren Wechselspiel fanden sich mal mehr, dann weniger inspirierte Formationen zusammen. Die Besucher hatten reichlich Spaß und feierten die Musiker und sich selbst. „Das ist hier ja fast ein Klassentreffen“, tönte es gleich aus mehreren Ecken und tatsächlich war im hintersten Winkel – an der frischen Luft der Hofterrasse – sogar noch etwas Raum und Ruhe für Gespräche.
Natürlich stellen die Hammer die meisten Akteure, doch lockt die Louis-Session inzwischen auch zahlreiche Musiker aus der weiteren Umgebung. Münster, Osnabrück, Oelde, Dortmund und die Städte entlang der Ruhr: Das Einzugsgebiet hat sich erheblich erweitert. Darüber hinaus sind auch immer mal wieder echte „Exoten“ zu hören, wie vergangenen Freitag der junge Gast aus Aachen. Diese Erfolgsgeschichte wurzelt im Engagement der Musiker, die die „Hausband“ formierten, Instrumente und Verstärkung beisteuerten und dem Ganzen eine Form gaben. Lockere Blues-Sessions sind – auch in Hamm – schon oft auf die Beine gestellt worden. Doch meist lässt das Interesse nach, wenn das musikalische Chaos überhand nimmt und in der Folge das Publikum ausbleibt.
Dem steuerten von Anfang an die „Louis Blues Band“-Musiker entgegen, die als Blues-Liebhaber darauf achteten, dass auch die Zuhörer auf ihre Kosten kamen. Seit dreieinhalb Jahren sorgen die Gäste an jedem zweiten Freitag im Monat für ein volles Haus und beste Stimmung. Da ist es nur logisch, dass Ghaleb Eid das Gespräch mit den Musikern sucht und die Zusammenarbeit fortgeführt wird.