Familie Droste saniert ein mehr als hundert Jahre altes Zechenhaus
Bei der Sanierung entdeckt: Ein verborgenes Zimmer
Plötzlich war das neue alte Haus von Vanessa und Farid Droste größer, hatte auf einmal 120 statt 110 Quadratmeter. Die Familie ist froh, mehr Platz zu haben, die Fläche gehört nun zu den den Kinderzimmern. Die Drostes haben seit dem vergangenen Sommer ein Zechenhaus aus dem Jahr 1909 saniert und wohnen bereits darin.
Ein Haus aus dem Jahr 1909 – dem Jahr, in dem Borussia Dortmund gegründet wurde. 1912 nahm die Zeche Sachsen ihren Förderbetrieb auf. Das Haus der Drostes liegt einen Steinwurf nördlich der Zeche und gehört zur „alten Kolonie“. Zwei weitere Zechensiedlungen entstanden wenig später: die „neue Kolonie“ und der „Vogelsang“. Viele Häuser wurden vom Architekten Alfred Fischer entworfen, der auch die nach ihm benannte Maschinenhalle geplant hat – das Haus der Drostes zählt wahrscheinlich nicht zu seinen Entwürfen. Es ist ein „Steigerhaus“. Die Größe des Zechenhauses zeigte die Bedeutung des Kumpels.
Beide kennen Heessener Zechenhäuser aus ihrer Kindheit
Wichtigste Frage: Warum ein Zechenhaus? Die Gebäude haben in aller Regel weit mehr als hundert Jahre auf dem Buckel und oft großen Sanierungsbedarf. „Ich bin ganz hier in der Nähe in einer Kolonie groß geworden“, sagt Farid Droste, „in einem Haus, in dem es noch einen Kohleofen gab.“ Der 33-Jährige verbindet damit schöne Kindheitserinnerungen. Gattin Vanessa geht es ebenso: Beide Großelternpaare lebten in Zechenhäusern, ebenfalls in Heessen. Beide haben erfahren, dass die Nachbarschaftshilfe dort besonders ausgeprägt ist.
Und doch: Als die das neue Haus Am Hämmschen bei der Besichtigung das erste Mal sah, hatte sie Bedenken. Zum einen war es ihr viel zu dunkel. „Oh, mein Gott, was ist das für eine Höhle?“, habe sie gedacht. Und: „Wo ist das Licht?“ Zum anderen ahnte sie, was an Sanierung auf sie zukommen könnte.
Bei der Sanierung unseres Hauses war Farid der Visionär und ich die Realistin – sonst ist es umgekehrt.
Am Tag der Übernahme war das Haus zwar leer geräumt, und doch holten Farid und Vanessa mit Unterstützung seines Bruders, ihres Vaters und ein paar Freunden noch jede Menge Bauschutt aus dem Haus. „Vier große Container haben wir damit gefüllt“, sagt Farid. Alle Böden und Decken kamen raus, Türen und Türzargen, ganze Wände gingen in den Container. Das war Phase eins: rausreißen, leerräumen. Dann lagen Wände, Zwischendecken und Dachstuhl offen, an manchen Stellen konnten die Drostes vom Erdgeschoss bis unter das Dach schauen.
Kaum zu glauben, was in der Zimmerdecke war
Besonders auffällig auf dem Weg dort hin: Manche Zwischendecke hatte mehr Schichten, als sie gedacht hätten. Farid Droste beschreibt eine solche Decke zwischen Erd- und schoss von oben nach unten: „Erst war da der Oberboden, darunter ein PVC-Boden, darunter Linoleum, und wiederum da drunter war die Schüttung.“ Darin fanden sich Vogelnester, ein Regenschirm, Dachziegel und Dachpappe, Teppichreste und Steinplatten. Vanessa Droste: „Irgendwer hat alles da reingepresst, was er gefunden hat.“ Und damit waren sie noch nicht ins Untergeschoss vorgedrungen. Unter der Schüttung fanden sie Dachpappe mit Draht, Heraklithplatten und am Ende Styropor in Holzoptik.
Anstrengend waren die vergangenen Monate seit dem Kauf, das sagen beide Drostes. Und sie hatten klare Rollen. Farid Droste war in Sachen Haussanierung der Visionär, Vanessa Droste die Realistin. Im Rest des Lebens sei das eher anders herum, sagt sie. Und vieles hat ihr Mann selbst gemacht, sehr oft legte aber auch Vanessa Droste die Hand an. Besondere Erinnerung: Der Fußboden des Obergeschosses war voller Nägel, und jeden einzelnen haben die beiden selbst herausgezogen, jeden einzelnen, „Hunderte, vielleicht Tausende“, sagt er. Eine Erklärung für die Nagelflut haben sie nicht.
Erst alles rausreißen, dann der neue Aufbau
Phase 2: die Neugestaltung. Das Wohnzimmer im Erdgeschoss teilten die neuen Eigentümer auf, ein Teil bleibt Wohnzimmer, der andere ist ein Spielzimmer für die Tagesbetreuung – Vanessa Droste arbeitet als Tagesmutter. Im Obergeschoss über dem Wohnzimmer liegt das Schlafzimmer samt begehbarem Kleiderschrank. Und das Zimmer ihrer beiden Söhne ist größer als gedacht.
Durchbruch durch das Dach
Denn an einem sonnigen Tag im Herbst standen Vanessa und Farid Droste im Garten, ihr Blick fiel auf das Giebeldach über dem Anbau nahe der Haustür, unter dem das Badezimmer angebaut wurde. Sie fragten sich: Was ist eigentlich unter dem Giebel? Die Antwort: ein Dachzimmer, das vom Haus selbst aus nicht begehbar war.
Und so haben die Drostes den Raum nutzbar gemacht: Vom Obergeschoss aus brachen sie durch die steile Dachschräge zum Obergeschoss des Anbaus durch und vereinten die beiden Räume. Licht gibt ein großes zusätzliches Dachfenster – der Raum sieht aus, als sei er immer so geplant gewesen. Beendet haben die Drostes ihr Projekt nicht, es gibt noch viel zu tun. Derzeit gestalten sie den Garten, um einen schönen Ort für ihre eigenen Kinder und die Kinder der Tagesbetreuung zu schaffen. Auch im Treppenhaus arbeiten sie noch. Und irgendwann sind Bad und WC an der Reihe. Eins nach dem anderen.


