Heizungsprobleme in Werries
Eisige Zeiten: Bewohner von LEG-Wohnungen frieren
Den eisigen Temperaturen zum Trotz mussten Mieter eines LEG-Wohnblocks in Hamm-Werries tagelang ohne wärmende Heizung auskommen und frieren. Der nächste Eintrag im LEG-Klagebuch.
Hamm – Eisige Zeiten im LEG-Wohnblock an der Maximilianstraße in Werries. Rund eine Woche lang funktionierte die Heizung nicht oder nicht richtig. Betroffen waren bis zu 72 Wohnungen der beiden Mehrfamilienhäuser. In Hausnummer 4 waren auch am Donnerstagnachmittag noch Heizkörper kalt, wie ein Bewohner versicherte. Dabei hatte das Wohnungsunternehmen nur zwei Stunden vorher erklärt, das Problem bereits am Vorabend behoben zu haben, „sodass die volle Versorgung nun wieder sichergestellt ist“. (Lesen Sie auch: „Hingehalten“: Mieter beschweren sich über Zustände in LEG-Wohnungen)
Mit den anhaltenden Minusgraden war die Temperatur in den Wohnungen von Tag zu Tag gesunken. „Acht Grad“, sagte Heinz-Dieter Sawatzki und zeigte am Mittwoch auf das Thermometer in seinem Badezimmer. Seine Wohnung hatte Kühlschrankniveau erreicht. Von der LEG beauftragte Handwerker, die sich um die Heizung kümmern sollten, suchte er vergebens. Auch vom Wohnungsunternehmen bekam er keine weiteren Informationen.
Im September sorgten Mängel und Reparaturstaus in einem LEG-Haus in Bockum-Hövel für Ärger. Anfang Dezember machte dort die Heizung in den Wohnblocks Probleme … und jetzt läuft die Heizung seit einer Woche in der LEG-Wohnanlage an der Maximilianstraße nicht oder nicht korrekt. Nach Angaben von Mietern seit Mittwoch, 7. Dezember.
Mieterin Anneliese Olschewski: „Die ganze Nacht friere ich“
Am sonnigen, aber kühlen Mittwochnachmittag erweckte Anneliese Olschewski vor dem Eingang von Hausnummer 4 den Eindruck, ziellos herumzuirren. Die 86-Jährige wusste schlichtweg nicht mehr, wohin, um der Kälte zu entkommen. Gerade vom unfreiwilligen Shopping aus dem benachbarten Maxicenter zurückgekehrt, war der in den Geschäften gewonnene Aufwärmeffekt aus der Kleidung gewichen. „Ich kann nicht in die Wohnung“, sagte sie, „zu kalt.“ Decken & Co. halfen ihr nicht. „Die ganze Nacht friere ich“, erklärte sie. Nur mühsam schob sie den Rollator und klagte über Rückenschmerzen.
Das Lachen ist Heinz-Dieter Sawatzki nicht vergangen, aber der lange Ausfall der Heizung und die ausbleibenden Rückmeldungen der LEG seien nicht in Ordnung, sagte der 78-Jährige. „Okay, es ist kalt. Für mich ist das nicht so schlimm, aber im Haus leben nur Leute Ü60.“ Für viele sei die Kälte ein Problem. „Alle Nachbarn schimpfen.“
Um den Frost aus der Zwei-Zimmer-Wohnung zu vertreiben, schaltete er den Herd an. Einen Heizlüfter hat er nicht. Auf bis zu etwa 15 Grad Celsius Raumtemperatur kam er so. Schal und Mütze legte er nicht mehr ab. Waschen ging, aber wenn er duschen wollte, fuhr er ins Maximare. Nachdem zumindest das Warmwasser am Donnerstagmorgen wieder läuft, könnte er sich den Weg ersparen. Doch die Heizkörper blieben am Nachmittag noch kalt.
LEG-Statement: Unternehmen gibt „jeden Tag das Beste“
Bereits einer Woche vorher habe er, wie er sagte, den Reparatur-Notdienst der LEG über den Ausfall der Heizung informiert. Auf eine SMS aufs Handy mit Infos, wie er sie in der Vergangenheit bei Problemen bekommen hat, wartete er vergebens. Anrufe beim Service hätten nichts gebracht, sagte er. Ein Unternehmen sei beauftragt, habe es geheißen. Doch gesehen hat er die Mitarbeiter nicht.
Das Immobilien-Unternehmen bestätigt auf Nachfrage die Probleme, möchte sich aber „zunächst in aller Form bei den betroffenen Mieter:innen entschuldigen“, wie LEG-Sprecherin Veronika Böhm in einer schriftlichen Antwort erklärt. Sie versichert, dass das Unternehmen „jeden Tag das Beste“ gebe, „damit solche Vorfälle – gerade in den Wintermonaten – immer die Ausnahme bleiben“. Seit wann der LEG von dem Problem wusste und warum die Lösung Tage dauerte, sagt sie nicht.
Grund für die kalten Wohnungen war nach Angaben der LEG kein Schaden der Heizungsanlage, wie Bewohner annahmen. Der Notdienst habe sie am Mittwochabend begutachtet, sagt die Unternehmenssprecherin. „Wir können bestätigen, dass die Heizung lief.“ Dennoch haben frierende Hausbewohner davon nichts gemerkt. Der Grund: „Der Temperaturabfall resultierte durch vorhandene Luft im Verteilnetz der Hausnummer 6, was in der Tat zu der Unterversorgung geführt hat.“
Antworten auf Nachfragen, warum die Bewohner zum Beispiel wegen etwas Luft eine Woche frieren mussten, standen am Donnerstag noch aus.
Ärger mit der LEG gibt es übrigens nicht nur in Hamm, wo mehr als 4000 Mietwohnungen im Bestand sind. Das Wohnungsunternehmen ist deutschlandweit mit einer Vielzahl an Wohnungen präsent. Die jüngsten Berichte auf wa.de schlugen Wellen über die Lippestadt hinaus. So meldeten sich auch Menschen aus Siegen, Krefeld und Wirges im Westerwald und klagten ihr Leid von tropfenden Decken, Rohrbrüchen und eines sich lösenden Heizkörpers sowie Reparaturen, die sich monatelang, ein halbes oder ein ganzes Jahr hinzogen.