Einbürgerung mit 94 Jahren: Brexit gibt den Ausschlag

Elfriede Charlotte Allan, geborene Schlieper (mit Blumen), erhielt ihre Einbürgerungsurkunde im Beisein von ihrer Tochter Karin Delle (von links), Wolfgang Müller (Leiter Amt für Soziale Integration), Silvia Behnken und Ralf Korritke.
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Elfriede Charlotte Allan, geborene Schlieper (mit Blumen), erhielt ihre Einbürgerungsurkunde im Beisein von ihrer Tochter Karin Delle (von links), Wolfgang Müller (Leiter Amt für Soziale Integration), Silvia Behnken und Ralf Korritke.

Hamm - Wer sich in Deutschland einbürgern lassen möchte, durchläuft im Normalfall einen Integrationsprozess. Der war bei Elfriede Charlotte Allan, geborene Schlieper, nicht nötig.

Obwohl sie immer in Hamm gelebt hatte, wurde die Heessenerin am Donnerstag im Alter von 94 Jahren eingebürgert. „Sie sind die älteste Bürgerin, die wir jemals eingebürgert haben“, sagte Wolfgang Müller vom Amt für Soziale Integration bei der kleinen Feier im Bürgeramt für Migration und Integration in Heessen. 

Verlorene Staatsbürgerschaft durch die Hochzeit

Dies sei eine ganz besondere Geschichte, so Müller, denn selten passiere es, dass jemand die deutsche Staatsbürgerschaft erneut erhält – vor allem in dem Alter. 1948 heiratete Allan einen Briten und verlor somit automatisch ihre deutsche Staatsbürgerschaft. 

Zweimal musste sich das Paar trauen lassen, Allan besitzt eine deutsche und eine britische Heiratsurkunde. Ihr Mann blieb bei ihr in Hamm, übernahm den Fahrdienst an der Windsor Boys School. In Großbritannien lebte das Ehepaar nie. 

Sie lebte nie in Großbritannien

Nach dem Krieg kauften sich die beiden ein Haus in Heessen und renovierten es. Allan lebt noch heute in diesem Haus; ihr Ehegatte starb 1975. Auslöser für die erneute Einbürgerung war unter anderem der Brexit im vergangenen Sommer. 

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Wenn Großbritannien aus der EU austritt, würde der Einbürgerungsprozess sehr lange dauern, erklärt Allans Tochter, Karin Delle, die ihrer Mutter bei der Einbürgerung half. 

Doch nicht nur die veränderte politische Situation in Großbritannien war ein ausschlaggebender Punkt. Allan gab ihre deutsche Staatsbürgerschaft nie freiwillig ab, das damalige Gesetz verlangte es so. Als Ausländer im Heimatland leben, so fühlte sich Allan ihr Leben lang. 

Brexit war der Auslöser

Bevor Großbritannien in die EU eintrat, mussten sich Allan und ihre Familie sogar immer eine Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland einholen. Umso glücklicher ist Allan nun mit dem Wiedererhalt ihrer deutschen Staatsbürgerschaft. 

Angesichts ihres hohen Alters, wollte die 94-Jährige nicht mehr länger warten. „Ich möchte als Deutsche sterben“, sagte Allan zu ihrer Tochter. Auch wenn das Verhältnis zu ihrer britischen Verwandtschaft noch sehr gut ist, legte sie jetzt ihre britische Staatsbürgerschaft ab. 

148 Briten lebten im März in Hamm 

Im März 2017 lebten 148 Personen mit ausschließlich britischer Staatsangehörigkeit in Hamm. Das Amt für Soziale Integration stellte den Kontakt zu ihnen her und machte sie auf die Möglichkeit der Einbürgerung aufmerksam. 

Nicht nur das Wahlrecht und die Reisefreiheit, sondern auch die Zulassung zu jedem Beruf sind Vorteile des Erwerbs der deutschen Staatsangehörigkeit. Während Großbritannien noch Mitglied der EU und der Brexit nicht abschließend vollzogen ist, könnten Menschen mit britischem Pass wie Bürger aller anderen EU-Staaten zusätzlich die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen. 

Bestimmungen für künftige Nicht-EU-Bürger

Danach müssen sie sich für eine entscheiden. Damit gelten die üblichen ausländerrechtlichen Bestimmungen. Britische Bürger müssen als Nicht-EU-Bürger künftig beispielsweise einen Aufenthaltstitel beantragen. 

Laut Stadtverwaltung haben sich 2016 und 2017 zusammen circa 50 britische Staatsangehörige nach dem Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit erkundigt, 23 haben die deutsche Staatsangehörigkeit durch Einbürgerung erworben.

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