Raubkatze gestorben

„Eher Hund als Katze“: Puma Timo musste eingeschläfert werden

Vor dem leeren Gehege stehen Tierärztin Nicole Gies und Tierpfleger Lukas Jütte. Sie vermissen ihren Puma Timo sehr.
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Vor dem leeren Gehege stehen Tierärztin Nicole Gies und Tierpfleger Lukas Jütte. Sie vermissen ihren Puma sehr.

Puma-Opa Timo musste eingeschläfert werden. Der Tierpark Hamm hat jetzt nur noch eine Raubkatze - aber es wird eine neue Anlage geplant.

Hamm - Timos Gehege ist verwaist. Eine Gruppe Frauen schlendert vorbei. „Ich glaube, hier lebte der Puma“, sagt eine. Die anderen nicken. Sie ziehen weiter, vorbei an der Aufschrift „Gehege aktuell nicht besetzt“. Für den nicht-wissenden Besucher ist es nur ein leerer Käfig, für das Team des Tierparks Hamm ist es die Erinnerung an ihren Puma.

Puma Timo musste eingeschläfert werden

Ende Juni kam die Nachricht aus dem Tierpark: Die Raubkatze musste eingeschläfert werden. Das Ergebnis der Obduktion, die der tierärztlichen Leitung Nicole Gies seit diesem Montag vorliegt, bestätigt den komplizierten Bruch am Oberarm, der nicht mehr heilen konnte. „Wir vermuten, dass Timo im Schlaf gestürzt ist“, sagt Gies. „Ein junger Puma fällt nicht vom Baum“, erklärt die Tierärztin. Ähnlich wie bei älteren Menschen kommt es schneller zu solchen Unfällen und bei diesen schneller zu Brüchen. Die Fraktur von Timo konnte nicht geschient werden, das Tier hätte nur gelitten.

Stirbt ein Tier im Tierpark, wird es zur Obduktion in die Pathologie des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Westfalen in Arnsberg gebracht. Das gewonnene Wissen wird in einer bundesweiten Datenbank gesammelt. Das Obduktionsergebnis hilft den Zoos Handlungsweisen abzuleiten und die Haltung zu verbessern. Timos Befund bestätigt, dass er ein sehr altes Tier war, dessen Fraktur irreparabel war.

„Ein junger Puma fällt nicht vom Baum“ - Timo starb nach einem Bruch

Die Lebenserwartung von Pumas in menschlicher Obhut liegt bei 15 bis 18 Jahren. „Timo war mindestens 18 Jahre alt“, sagt Tierpfleger Lukas Jütte. Durch mehrere Besitzerwechsel ist das genaue Geburtsdatum des Tieres unbekannt. Jütte ist der Bereichsleiter für das Revier Mitte, den Bereich im Tierpark, in dem die Raubkatzen sind. Als Timo starb, hatte Jütte Urlaub. Sein Stellvertreter, Manuel Lüling, war bei dem alten Puma. Lüling hat sich im Alltag vorwiegend um Timo gekümmert, in der traurigen Situation habe er einen sehr guten Job gemacht, sagt Jütte. „Es ging uns allen sehr nahe“, so der Tierpfleger. Jütte unterbrach seinen Urlaub und traf sich abends mit seinen Mitarbeitern. „Wir brauchten den Rückhalt, um mit der Situation umzugehen.“

Durch mehrere Besitzerwechsel blieb das Geburtsdatum von Timo unbekannt.

„Gute Beziehung zwischen Pflegern und Tier“ - sieben Jahre lang um Timo gekümmert

Sieben Jahre lang betreute Jütte den Puma mit. „Als junges Tier hat er unglaublich gerne mit Bällen gespielt“, sagt er lächelnd. „Er hat sie hin und her gepöhlt.“ Timo lebte alleine in seinem Gehege, Pumas sind Einzelgänger. „Er war ein Charaktertier, eher Hund als Katze.“ Er dachte, die Tierpfleger sähen ihn nicht, wenn er sich nicht bewegte. Futter bedeutete ihm viel. Tierärztin Nicole Gies bestätigt: Timo war sehr umgänglich. „Das zeigt die gute Beziehung zwischen den Pflegern und dem Tier. Sie hatten ein Vertrauensverhältnis.“

Nach Timos Tod bleibt Tiger-Weibchen Kira als einzige Raubkatze im Tierpark Hamm zurück. Einsam ist sie nicht, betonen Geschäftsführer Sven Eiber und Tierärztin Nicole Gies, weil Tiger grundsätzlich Einzelgänger sind. Der Partner der sibirischen Tigerin, Hammlet, starb bereits 2019 an einem großen Brusthöhlentumor. Kira ist jetzt 16 Jahre alt. „Sie ist schon ein altes Tier, aber sehr fit“, sagt die Tierärztin.

Tiger Kira ist nun die letzte Raubkatze des Hammer Tierparks.

Nur noch Tigerin Kira bleibt als Großkatze im Tierpark Hamm zurück

In Zukunft plant Tierpark-Geschäftsführer Eiber eine große, neue Raubkatzenanlage. Die Planungen dafür sind bereits weit fortgeschritten. „Mit dem Neubau der Anlage warten wir allerdings ab, solange es die Tigerin noch gibt.“ Ganz auf die Großkatzen verzichten, möchte man im Tierpark nicht. „Der Grundgedanke einer zoologischen Einrichtung ist es auch eine Reservepopulation von bedrohten Tierarten zu halten“, so Eiber. Tierärztin Gies ergänzt: „Eine kleine Einrichtung, wie wir es sind, kann ebenso dazu beitragen. Artenschutz wird langfristig gedacht. Die Gen-Reserve beginnt heute.“

Welche Tiere infrage kommen, legen die Zuchtbücher und wirtschaftliche Gedanken fest. „Wir vermeiden eher keine Tiere mit sehr hohem Wärmebedarf aufzunehmen“, erklärt Eiber. Dazu zählen etwa Sumatra-Tiger oder Löwen, deren Innenställe zumindest teilweise geheizt werden müsste. Möglich wären zum Beispiel Schneeleoparden oder sibirische Tiger, wie Kira und wie das Symboltier des Hammer Tierparks .

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