Ehemaliger Einbrecher gibt Tipps für Einbruchsschutz
Hamm - Noch nie sind in Deutschland so viele Wohnungs- und Hauseinbrüche gemeldet worden, wie im vergangenen Jahr. Hamm ist keine Ausnahme, wie unlängst die Kriminalstatistik der Polizei belegte. Wie kann man sich schützen? Wir haben jemanden gefragt, der sich wirklich auskennt...
Der 49-jährige Hammer Hermann Wenning verübte früher selbst Einbrüche – als Beschaffungskriminalität, weil er drogenabhängig war. Seine Vergangenheit hat der Buchautor längst hinter sich gelassen, führt heute ein normales Leben und versucht im Rahmen von Lesungen andere Menschen vor Drogen und deren Folgen zu warnen. Im Gespräch mit WA-Mitarbeiterin Rabea Wortmann gibt er Tipps, wie sich Bewohner vor Einbrüchen schützen können.
Welche Objekte bevorzugen Einbrecher und warum?
Hermann Wenning: Jeder Einbrecher möchte schnell und ungesehen in ein Objekt einsteigen. In kurzer Zeit hohe Beute machen und wieder unerkannt fliehen. Deshalb bevorzugen Einbrecher alleinstehende Häuser, an denen sie über die uneinsehbare Rückseite unauffällig einsteigen können. Hohe Hecken und Mauern helfen dem Einbrecher dabei, denn die verschließen die Sicht von der Straße oder auch vom Nachbarn. Befindet sich hinter dem Haus noch ein Feld oder Wald, so hat der Einbrecher auch noch den perfekten Fluchtweg.
Haben Sie Tipps, wie sich Haus- und Wohnungsbewohner gegen Einbrecher schützen können?
Wenning: Ein Einbrecher entscheidet sich in weniger als einer Minute, ob ein Objekt für ihn interessant ist oder auch nicht. Deshalb ist Psychologie sehr entscheidend! Hier einige Tipps: Warnschilder am Objekt anbringen, wie „Vorsicht bissiger Hund“, „Alarmgesichert“ oder „Videoüberwacht“, bei Geschäften empfiehlt sich das Schild: „Einbruch zwecklos, kein Bargeld vorhanden.“ Auch wenn Einbrecher diesen Bluff nicht immer glauben, so wissen sie doch, dass
vermeintliche Opfer macht sich Gedanken gemacht haben. Einbrecher gehen dann lieber ein Objekt weiter, wo keine Vorsichtsmaßnahmen getroffen wurden. Wichtig ist es auch, die Nachbarn mit einzubeziehen. So können Nachbarn auf auffällige Fremde achten oder in der Urlaubszeit auf das Haus oder die Wohnung aufpassen sowie regelmäßig den Briefkasten leeren. Fatal finde ich, wenn niemand zu Hause ist, aber Urlaubsfotos – zum Beispiel über Facebook veröffentlicht werden –, denn Verbrecher sind auch im Internet aktiv. Senioren würde ich empfehlen, sich aus dem Telefonbuch zu verabschieden. Denn Verbrecher – vor allem beim Enkeltrick – gucken dort nach alten Namen wie beispielsweise Bernhard, Gustav oder Mathilde und suchen sich deren Adressen. Sie können dann vorher über einen Anruf auskundschaften, ob jemand zu Hause ist.
Dringen die Täter in die Wohnung oder das Haus ein, ist es wichtig, Wertsachen gut zu verstecken. Welche Verstecke machen Sinn?
Wenning: Also grundsätzlich im Zeitalter des bargeldlosen Geldverkehrs empfehle ich weniger als 100 Euro in der Wohnung zu haben. Leider haben viele Menschen, oft auch Senioren, ihre ganzen Ersparnisse zu Hause. Einbrecher suchen grundsätzlich immer die gleichen Räume auf. Zuerst die Garderobe, weil hier werden Autoschlüssel und Geldbörse vermutet. Dann das Schlafzimmer, weil hier häufig Schmuck gelagert wird, und schließlich das Wohnzimmer – wegen Laptop und Handy – sowie die Küche. Dort lagern viele Menschen oft in leeren Lebensmitteldosen Bargeld. In anderen Räumen wie Keller, Abstellraum, Toilette oder auch auf dem Balkon wird eher keine Beute erwartet. Jeder kann effektive Ideen haben, wo er seine Wertsachen so verstecken kann, dass sie wirklich niemand finden kann. Tresore sind nur sinnvoll, wenn diese nicht aus der Wand herauszuhauen oder wegzutragen sind. Am besten ist es, wenn der Tresor vom Einbrecher nicht zu entdecken ist. Denn: Hat er ihn entdeckt, stellt er die ganze Wohnung auf den Kopf, um den Schlüssel oder den Pin-Code zu finden.
