DRK-Landesverband schließt Prüfbericht ab
Dubiose Spendenkasse: Amtsleiter holte 171.000 Euro ab
Der DRK-Landesverband hat die Überprüfung einer dubiosen Spendenkasse in Hamm abgeschlossen. Demnach wurden insgesamt 171.000 Euro in bar an den Leiter des ehemaligen Amtes für soziale Integration, Müller, ausgezahlt. Was mit dem Geld letztlich geschah, wisse man nicht.
Hamm - 171.000 Euro! Das ist offenbar die Summe, die sich der Leiter des ehemaligen Amtes für Soziale Integration, Wolfgang Müller, zwischen 2011 und 2016 beim DRK in bar auszahlen ließ. Müller, der nie eine Funktion beim DRK inne hatte und auch kein Vereinsmitglied ist, soll bis zu 15 Mal im Jahr in der Geschäftsstelle erschienen sein und Geld entgegengenommen haben. Es soll sich laut DRK in der Regel um glatte vierstellige Beträge gehandelt haben. Das Geld stamme ganz überwiegend von städtischen Töchtern (Sparkasse, Stadtwerke, HGB), die es zuvor an das Rote Kreuz für Integrationsarbeit/Ramadan gespendet und im Gegenzug eine Spendenquittung erhalten hatten.
Drei Monate nachdem der WA im Juli 2021 die dubiose Spendenkasse beim Roten Kreuz in Hamm aufgedeckt hatte, hat der DRK-Landesverband nun die Prüfung des so genannten „Müller-Kontos“ für die vergangenen zehn Jahre abgeschlossen. Wie die DRK-Vorstandsvorsitzende Stefanie Göckler gegenüber dem WA erklärte, sei der Bericht über die „Kostenstelle“ nunmehr auch der Staatsanwaltschaft übergeben worden. Darin seien auch die 171.000 Euro an Barauszahlungen an den städtischen Verwaltungsmann Müller dokumentiert.
Schon im Juli hatte das örtliche DRK gegenüber dem WA erklärt, dass allein zwischen Januar 2013 und Juli 2016 rund 130.000 Euro an Müller in bar ausgehändigt worden seien. Was mit dem Geld geschah, wisse man nicht. Es gebe offenbar keine Verwendungsnachweise. Gemeinhin wurde davon ausgegangen, dass das Geld für die Finanzierung des Ramadanmarktes und die Unterstützung von Moscheevereinen verwendet wurde.
DRK: „Wissen nicht, was mit dem Geld passiert ist“
An diesem Bild hat sich auch nach der jetzt beendeten Detailprüfung nichts geändert. „Wir wissen nicht, was mit dem Geld passiert ist“, sagt Göckler gegenüber dem WA. Das Geld sei ausschließlich außerhalb des DRK verausgabt worden. „Das hatte nichts mit unserer Integrationsarbeit zu tun.“
Göckler sprach von einem „großen Fehler“, der damit zu begründen sei, dass sich offenbar über Jahre hinweg ein Vertrauensverhältnis zwischen den verantwortlich handelnden Personen beim DRK und dem Amtsleiter entwickelt hatte. Einmal in die Wege geleitet, sei der Fluss der Spendengelder anscheinend nicht mehr hinterfragt worden. „Das ehrenamtliche Präsidium war nicht informiert oder involviert“, sagt Göckler ebenfalls. Zur Wahrheit gehöre aber auch, dass die Jahresabschlüsse des DRK immer voll umfänglich vom Wirtschaftsprüfer und auch vom Finanzamt bestätigt und eben nicht beanstandet worden seien. Sie selbst habe die Praxis der Barauszahlungen in 2016 zwar gestoppt, müsse sich aber zum Vorwurf machen, dass sie die Vorgänge nicht mehr im Nachgang aufgearbeitet habe. Lehren seien nur mit Blick auf die Zukunft gezogen worden. Seit fünf Jahren werde beim DRK großer Wert auf Transparenz und die Beachtung von Compliance-Grundsätzen gelegt.
Die dubiose Spendenpraxis wurde demnach zu Zeiten des im Mai 2013 plötzlich gestorbenen DRK-Vorstands/Geschäftsführers Kurt Sperling eingeführt und etabliert. Wie es heißt, soll dies schon weit vor dem Jahr 2011 geschehen sein. Sperlings Nachfolger war der Rechtsanwalt Dieter Arrenberg, der 2016 von Stefanie Göckler als hauptamtlicher Vorstandsvorsitzender abgelöst wurde. Im März 2021 schied Arrenberg (70) gesundheitsbedingt endgültig beim DRK aus und gab seine Funktion als Geschäftsführer des DRK-Seniorenstifts ab.
Ermittlungen und Überprüfung noch ohne Ergebnisse
Er habe keinerlei Kenntnis von den Prüfvorgängen beim Roten Kreuz und von dem Prüfbericht, sagte Arrenberg gegenüber dem WA. „Zu dem laufenden Prozess, der insbesondere von der Staatsanwaltschaft geführt wird, kann ich mich deshalb nicht äußern.“
Auch von Seiten Wolfgang Müllers war nichts über die Verwendung der Spendengelder in Erfahrung zu bringen. Sein Amt für Soziale Integration wurde von Oberbürgermeister Marc Herter in Zusammenhang mit den WA-Enthüllungen zum „Phantom im Rathaus“ zerschlagen. Gegen Müller ermittelt die Staatsanwaltschaft Dortmund sowohl wegen des Phantom- als auch des DRK-Sachverhalts. Man werde aktuell keine Stellungnahme abgeben, sagte Müllers Bielefelder Rechtsanwältin Claudia Fübi am Mittwoch dem WA und bat auch darum, von künftigen Anfragen Abstand zu nehmen. Wenn es etwas zu verkünden gebe, werde sie sich melden, sagte die Juristin.
Keine Ergebnisse gibt es bislang bei den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen. Ebenso dauert die Überprüfung der Fördermittelverwendung beim „Phantom“-Komplex durch die Bezirksregierung Arnsberg an.