Cosplayer aus Hamm
Die Bösen, die Gutes tun: Star-Wars-Fans sammeln für den guten Zweck
Finster aussehende Gestalten in weißen, schwarzen oder silberfarbenen Star-Wars-Rüstungen mit großen Helmen, Laserschwertern und täuschend echt aussehenden Space-Waffen: Das ist die „Star Wars Fan Force Hamm“. Sie verkörpert die Bösen – dabei tut sie Gutes.
Hamm – Denn für jedes geschossene Foto sammeln die Freunde Geld und spenden es für den guten Zweck.
Ihr Raumschiff hat die Fan Force im Keller der Familie Twittenhoff. Wer die Treppe in den Keller hinuntersteigt, auf den wartet eine andere Welt. Kaum hat man die letzte Stufe hinter sich gelassen, scheint man sich in einem Raumschiff wiederzufinden. Die Wände sind mit durchsichtigen Platten verkleidet, darunter leuchten ungewöhnliche Symbole in Blau und Lila.
An anderer Stelle sind helle Waben zu erkennen. Ein Fan erkennt: Das sind die Wände des Todessterns. Im hinteren Teil des Raumes sind Teile eines Cockpits aufgebaut: Wer sich an diesen Pappaufsteller setzt, steuert den Millenniumfalken. In Vitrinen an den Wänden liegen Helme verschiedener Star-Wars-Charaktere. Wohin man auch blickt, finden sich Gegenstände aus den Filmen.
Im echten Leben sind Alex und Bine Böhmer, Sasha Twittenhoff, Maik Schulz, Sebastian Heinisch, Carsten Sacher, Frank Fischer und ihre Kinder Autoverkäufer, Zahntechniker, Schüler oder Finanzbuchhalter. Doch wenn sie ihre Rüstungen anziehen, verwandeln sie sich in Klon-Krieger, Storm-Trooper und Mandalorianer – also meist böse Figuren aus dem Star-Wars-Universum.
"Die Bösen sind cooler"
Warum die Bösen? „Weil die einfach cooler sind und die cooleren Rüstungen haben“, sagt Sasha Twittenhoff. Der Hammer gehört zu den Gründungsmitgliedern der Fan Force Hamm. Die gibt es seit vier Jahren. Seine Leidenschaft für die Science-Fiction-Serie reicht aber deutlich weiter zurück. „Ich bin schon immer ein großer Fan gewesen“, erklärt er.
Neben dem zum Raumschiff umfunktionierten Partyraum gibt es deshalb noch das Büro. Dort sind die Wände mit Sammelfiguren gefüllt. In einem großen Regal stehen ordentlich aneinandergereiht die Bücher der Saga. „Die meisten kennen nur die Filme, aber die erzählen ja nur einen Bruchteil der Geschichte“, sagt Twittenhoff. So hat der Vater auch seine Kinder früh mit dem „Star-Wars-Virus“ infiziert. „Ich habe ihnen immer aus den Büchern vorgelesen“, sagt er lachend.
Ihre Auftritte hat die Truppe in einem Video zusammengefasst:
So gehören die Söhne Sam und Louis auch mit zur Cosplay-Truppe. Cosplayer schlüpfen in die Kostüme ihrer Figuren. Damit das gelingt, steht in dem Büro ein 3D-Drucker. Damit werden Kostümteile wie Helme und „Waffen“ hergestellt. Die meisten Kostüme der Star-Wars-Fans sind Handarbeit. „Meine Rüstung haben wir selbst mit einem Heißluftföhn zurechtgebogen“, erzählt Bine Böhmer – dabei nahmen die Fans verbrannte Finger und eingeklemmte Haut in Kauf.
Jeder möchte ein Foto
Die Zahnarzthelferin verkörpert in ihrer silberfarbenen Rüstung „Captain Phasma“, eine weibliche Sturmtruppen-Führerin, die im siebten Teil der Reihe eingeführt wird. „Ich werde in 80 Prozent der Fälle erkannt“, erzählt sie. Ihren Kameraden ergeht das meist anders. „Ich werde oft für Darth Vader gehalten“, berichtet Sohn Leon, der als „Kylo Ren“ – ebenfalls bekannt aus dem siebten Teil – bei Veranstaltungen dabei ist. „Nur weil meine Rüstung auch schwarz ist.“
Doch selbst, wenn sie nicht immer den richtigen Charakteren zugeordnet werden, Fotos möchte trotzdem jeder haben. „Wir können in unseren Kostümen kaum einen Meter weit gehen, ohne dass jemand ein Foto mit oder von uns machen möchte“, erzählt Alex Böhmer.
Spontane Idee
So war es auch vor vier Jahren, als die Truppe eigentlich nur eine Bratwurst auf dem Hammer Weihnachtsmarkt essen wollte. „Wir waren für eine Aktion zum neuen Star-Wars-Film ins Kino unterwegs und wollten eigentlich nur schnell etwas essen. Weil alle Fotos machen wollten, haben wir aber alleine 1,5 Stunden bis zur Wurstbude gebraucht. Irgendjemand meinte, wir könnten dafür Geld nehmen. Und so kam uns die Idee, Spenden zu sammeln. In den nächsten eineinhalb Stunden haben wir dann über 200 Euro für die Aktion Lichtblicke gesammelt“, erinnert sich Böhmer.
Seitdem ist der Weihnachtsmarktbesuch zum festen Bestandteil des Jahresplans der Freunde geworden, ebenso wie die Teilnahme am Karnevalszug. „Das ist jedes Jahr mein absolutes Highlight, wenn wir da um die Ecke biegen und die Kinder am Rand stehen und uns feiern. Das ist schon so ein bisschen Starfeeling“, sagt Sasha Twittenhoff.
Mittlerweile wird die Truppe auch häufiger für Veranstaltungen wie Geburtstage, Eröffnungsfeiern oder Thementage gebucht. Das so gesammelte Geld geht dann an Bedürftige oder Hilfsorganisationen in Hamm. Zuletzt kauften die Star-Wars-Fans Weihnachtsgeschenke für die Kinder des Hammer Frauenhauses. Weitere Infos gibt's auf der Facebookseite der Truppe.
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