St.-Josef-Krankenhaus in Bockum-Hövel

„St. Jupp“ macht dicht: Bedauern, aber auch Sorgen - Reaktionen

Das St.-Josef-Krankenhaus aus der Vogelperspektive.
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Das St.-Josef-Krankenhaus aus der Vogelperspektive.

[Update: 17.11 Uhr] Bockum-Hövel - Die Schließung des Bockum-Höveler St.-Josef-Krankenhauses besorgt den örtlichen Bezirksvorsteher Udo Helm (CDU). Allgemein hat die Ankündigung nicht nur Bedauern, sondern auch Sorge um die Nahversorgung ausgelöst.

In einer ersten Stellungnahme sagte Helm, er wolle sich nach der Entscheidung der St.-Franziskus-Stiftung stark machen für

Udo Helm

den Erhalt des Standortes. „Mich interessieren erst einmal die Gründe. Wir müssen berücksichtigen, dass der westliche Bereich der Stadt dann kein Krankenhaus mehr hätte. Es fände eine Konzentration in der Mitte und im Osten statt. Ich zweifle, ob das so stehen bleiben kann. Immerhin hat Bockum-Hövel alleine 36.000 Einwohner“, sagt Helm. Insbesondere sieht Helm die Akutversorgung nach einer Schließung des St.-Josef-Krankenhauses gefährdet.

Aus für Klinik in Bockum-Hövel - Das Wichtigste im Überblick

Eine Schließung hätte aus Helms Sicht auch eine dramatische Auswirkung auf die Bockum-Höveler City. Schon jetzt gebe es dort viele Leerstände. Wenn künftig Besucher und Mitarbeiter nicht mehr dorthin und ins Rathauscenter gingen, werde die Situation noch problematischer, so Helm. Er befürchte dann ein Veröden der Straßen.

Falls der Erhalt des Standortes nicht möglich sei, sollte man nach seiner Ansicht eine zukunftsträchtige Weiternutzung des Gebäudes anstreben. Als Beispiel nennt er die in Hamm ansässigen Hochschulen, die dort einen Stützpunkt einrichten könnten. „Dann würden auch wieder Menschen die Stadt bevölkern“, sagt er.

Weitere Reaktionen (wird ergänzt):

Orhan Bozdemir (Pro Hamm), Bezirksvertreter in Bockum-Hövel: ,,Die Nachricht von der angekündigten Schließung des Josef-Krankenhauses ist ein Schock für viele Bürgerinnen und Bürger und wirft den Stadtbezirk Bockum-Hövel um Jahre zurück. Es ist gut und auch wichtig, dass die St.-Barbara-Klinik in Heessen modernisiert und technisch aufgewertet werden soll und ebenso ist es eine gute Nachricht, dass die Mitarbeiter nach der Schließung übernommen werden. Grundsätzlich kann eine Verbesserung der medizinischen Versorgung nur in unser aller Interesse sein. Dennoch kann dieser Umstand meine Skepsis nicht mildern. Ist diese Fokussierung auf den Standort Heessen tatsächlich eine Verbesserung der medizinischen Versorgung, insbesondere für die westlichen Stadtbezirke?“

Brigitte Rohde (FDP), Bezirksvertreterin Heessen: „Das Malteser-Krankenhaus wird geschlossen, darauf kann die Politik keinen Einfluss nehmen. Für Bockum-Hövel ist das schlecht, aber für Heessen ist es gut. Arbeitsplätze werden nicht nicht abgebaut, sondern sogar eher aufgebaut. Was ich auch kritisch sehe, ist das Problem mit dem Parken. Ich bin schon von vielen angesprochen worden, und allen ist der Schreck in die Knochen gefahren: Um Gottes Willen, heißt es, wo sollen die alle parken? Die Verwaltung meint offenbar, dass das kein Problem sei, aber ich sehe da doch eines. Was den Busverkehr angeht, muss man erst mal prüfen, wie der Bedarf wirklich ist und ob man einen Bus wirklich einsetzen muss. Das kann man jetzt noch gar nicht sagen.“

Friedel Moor (Grüne), Bezirksvertreter in Heessen: „Die Zusammenlegung ist gut für Heessen, jetzt haben wir hier auch die Urologie. Es gibt nur ein einziges Problem: die Parkplatzsituation. Aber das werden wir auch lösen. Es ist auch gut, dass der Heessener Wald rund um die Klinik nicht tangiert wird, er bleibt erhalten, wie er ist. Es werden insgesamt ein paar Bäume gefällt, aber es gibt dann auch Ausgleichsmaßnahmen im Bezirk. Es sollte die Möglichkeit geben, dass die Mitarbeiter der Barbaraklinik mit dem Bus zur Arbeit fahren können, da müssen wir die Busverbindungen überdenken.“

Ludger Moor, SPD-Fraktionsvorsitzender in Heessen: „Wir begrüßen, dass der größte Arbeitgeber Heessens gestärkt aus dieser Entscheidung hervorgeht. Die Entscheidung bedeutet aber auch, dass wir mehr Verkehr bekommen werden, und diese Ströme müssen gelenkt werden. Zugleich muss es es eine Lösung für die Parkplatz-Situation geben, auch im Interesse der Mitarbeiter der St.-Barbara-Klinik und der Besucher. Die größeren Verkehrsströme können wir hinnehmen, denn das bedeutet auch, dass der Klinik-Stadtort für Jahrzehnte, wenn nicht auf Dauer, gesichert ist. Neu beginnen wird die Diskussion um die Ringbuslinie, denn Angehörige müssen ihre Besuche hier machen können, ohne stundenlang mit dem Bus zu fahren.“

Selda Izci (Linke), Bezirksvertreterin in Heessen: „Für den Standort Heessen ist die Zusammenlegung der Krankenhäuser weder ein Gewinn noch ein Verlust – denn wir hatten ja auch vorher ein Krankenhaus. Für die Gesundheitsvorsorge der Menschen in Bockum-Hövel ist die Zusammenlegung schlecht, weil der Standort aufgegeben und auf diese Weise mehr zentralisiert wird. Die Synergieeffekte des Trägers gehen also zu Lasten der Gesundheitsvorsorge der Bevölkerung in Bockum-Hövel. Außerdem gibt es keine direkte Busverbindung von Bockum-Hövel nach Heessen. Wenn eine Ringbuslinie eingerichtet wird, heißt das für die Bockum-Höveler, dass ihre Gesundheitsvorsorge teurer wird, weil sie noch den Bus bezahlen müssen.“

Erzina Brennecke (SPD), Bezirksvorsteherin Heessen: „In meiner Neujahrsansprache habe ich Heessen einen starken Gesundheitsstandort genannt, dabei wusste ich da noch gar nichts von der Zusammenlegung. Die bestätigt meine Einschätzung. Vor dem Hintergrund der Schließung von Krankenhäusern landesweit heißt die Zusammenlegung, dass durch die Investitionen in die Barbaraklinik der Standort Heessen über Jahrzehnte gesichert ist. Positiv ist auch, dass beim schon jetzt größten Arbeitgeber in Heessen noch mehr Arbeitsplätze im Bezirk angesiedelt sein werden. Damit verbunden wird es auch mehr Ausbildungsplätze geben."

Arnd Hilwig, Vorsitzender der CDU Hamm und Fraktionsvorsitzender der CDU-Bezirksfraktion Heessen und Oskar Burkert, Landtagsabgeordneter der CDU, gesundheitspolitischer Sprecher und Pflegebeauftragter der Landtagsfraktion, - beide wohnen in Heessen - nehmen ebenfalls Stellung zur Entscheidung der Franziskus-Stiftung. 

Hilwig: "Die Franziskus-Stiftung hat als Träger vor dem Hintergrund der Situation im Gesundheitswesen eine weitreichende unternehmerische Entscheidung für die nächsten Jahrzehnte getroffen. Aus meiner Sicht ist zu es begrüßen, dass der Gesundheitsstandort Hamm damit insgesamt gestärkt und für die Zukunft gefestigt wird. Im Bereich des Gesundheitswesens gilt es, die Stellung Hamms auch mit Blick auf das Umland zu stabilisieren und auszubauen. Von der zukünftigen Ausprägung der Barbara-Klinik als Schwerpunkt- und Maximalversorger profitieren die Patienten. Ich freue mich vor allem über die die Erklärung, dass die Arbeitsplätze erhalten und gesichert werden. Ich habe Vertrauen in die Zusage der Unternehmensführung, die Beschäftigten auf dem Weg mitzunehmen und einzubinden.“

Burkert: "Ich begrüße die Entscheidung nachdrücklich. Der Gesundheitsstandort Hamm wird ingesamt gestärkt. Mit der fachübergreifenden Schwerpunktbildung wird die Funktion Hamms als Oberzentrum im medizinischen Bereich für die Zukunft gesichert."

Karsten Weymann (Grüne) zeigt sich äußert verärgert über das schlechte Kommunikationsgebaren der St.-Franziskus-Stiftung: „Dass die Verantwortlichen vorher kein Gespräch gesucht haben und wir als Kommunalpolitiker die Entscheidung aus der Zeitung erfahren, das ist schon hart. Wir hatten keine Gelegenheit, etwas dazu zu sagen. Die Entscheidung war aus seiner Sicht aber vorhersehbar. Nicht umsonst hätten die Malteser das Krankenhaus aufgegeben. Als es von der St.-Franziskus-Stiftung übernommen worden sei, habe es dennoch geheißen, es bleibe alles wie bisher. „Für Bockum-Hövel ist das eine Superkatastrophe. Das Krankenhaus war ein Frequenzbringer“, lautet seine Einschätzung zu den Auswirkungen für den Stadtteil. Die Idee von Bezirksvorsteher Udo Helm, ein Hochschulinstitut dorthin zu holen, hält er für sehr gut. Allerdings sei das auch nicht mal eben zu machen.

Historische Motive von Barbaraklinik und St.-Josef-Krankenhaus

Historische Motive des St.-Josef-Krankenhauses und der Barbaraklinik in Hamm.
Historische Motive des St.-Josef-Krankenhauses und der Barbaraklinik in Hamm.
Historische Motive des St.-Josef-Krankenhauses und der Barbaraklinik in Hamm.
Historische Motive des St.-Josef-Krankenhauses und der Barbaraklinik in Hamm.
Historische Motive von Barbaraklinik und St.-Josef-Krankenhaus

Lothar Wobedo (Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Bockum-Hövel) und Damian Chatha (SPD-Bezirksfraktionsvorsitzender Bockum-Hövel): "Die Entscheidung der Franziskus-Stiftung, das Krankenhaus St. Josef aufzugeben und die medizinischen Leistungen am Standort Barbara-Klinik in Heessen zu zentralisieren, bedauern wir ausdrücklich. Dies ist keine politische Entscheidung gewesen, sondern alleinige Angelegenheit des Trägers. Der politische Wunsch der SPD ist selbstverständlich, das Krankenhaus auch weiterhin in Bockum-Hövel zu halten - nicht nur für eine Gesundheitsversorgung mit kurzen Wegen, sondern auch als Aushängeschild und Wirtschaftsfaktor für Bockum-Hövel. Mit der Schließung des Krankenhauses im Jahre 2020 stellen sich uns mehrere Fragen, die die Rettungskette und die Gesundheitsversorgung in der gesamten Stadt betreffen. Hierzu wird die SPD-Ratsfraktion eine umfangreiche Anfrage an die Stadtverwaltung erarbeiten."

Ingo Müller (Hammer FDP-Gruppensprecher): "Die FDP bedauert die Schließung des Josefs-Krankenhauses in Bockum-Hövel, ist aber überzeugt, dass durch den Neubau in Heessen der Gesundheitsstandort Hamm gestärkt wird. Mit dem Bau des neuen Hauses wird das medizinische Angebot in Hamm auf einen modernen Stand gebracht. Die medizinische Versorgung insgesamt wird verbessert. Zugleich ist es eine gute Nachricht, dass die Angestellten ihre Arbeitsplätze behalten.“

Stefani Müller-Veit (FDP-Bezirksvertreterin in Bockum-Hövel) bedauert gleichfalls die Schließung, weil damit ein Stück Bockum-Höveler Tradition endet. „Dennoch müssen wir sofort anfangen, eine Perspektive für die Zeit danach zu erarbeiten“, fordert sie. 

„Das Krankenhaus ist ein Magnet für die Bockum-Höveler City. Wenn es geschlossen wird, verliert der Bockum-Höveler Kern Besucherfrequenz und Kaufkraft.“ An die Adresse von Bezirksvorsteher Udo Helm (CDU) sagt sie: „Es ist zwar löblich, dass er sich für das Krankenhaus einsetzen will, aber leider völlig nutzlos. Denn die Verwaltung ist offenbar bereits in ersten Gesprächen mit den Franziskanern. Auch der Oberbürgermeister war informiert.“

Wir berichten weiter.

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