Barbaraklinik bietet erste "Schreisprechstunde" an
HAMM - Schreien Babys nach der Geburt sehr viel, lassen sie sich nur schwer beruhigen und schlafen schlecht ein - dann können die ersten Monate für Eltern zur Nervenprobe werden. Mit der Schreisprechstunde bietet die St. Barbara-Klinik seit dem 1. April dieses Jahres eine Beratungsangebot für Eltern an.
„Die Not der betroffenen Eltern ist oft groß“, berichtet Dr. Birgit Sauer, Leiterin der Elternschule in der St. Barbara-Klinik. „Wenn ihre Babys ständig schreien, kann das die Eltern zur Verzweiflung bringen.“ Störungen der Eltern-Kind-Beziehung oder Depressionen bei den Eltern könnten die Folge sein.
Der Diplom-Pädagoge Oliver Elbers berät Eltern in der Elternschule der St. Barbara-Klinik in Heessen oder der Hebammenpraxis R&S in Bockum-Hövel, oft besucht Elbers die Eltern zur Beratung aber auch zuhause. „Es ist wichtig, dass wir uns die Familiensituation anschauen“, sagt der Diplom-Pädagoge. Oft seien Kleinigkeiten im Zusammenspiel zwischen Eltern und Kind der Grund dafür, dass die Kinder viel schreien, schlecht einschlafen oder Füttern und Essen schwierig sind.
Beispielhaft nennt Elbers einen Fall, in dem die Eltern ihr Baby pausenlos fördern und durch Spielen stimulieren wollten, jedoch gar nicht bemerkten, wenn es dem Kind zu viel wurde. „Aus diesem Grund machen wir in den Familien Videoaufnahmen in Alltagssituationen beispielsweise beim Wickeln, Füttern oder Spielen“, erklärt Elbers. Durch die Aufnahmen können die Eltern die Reaktionen ihrer Kinder ganz bewusst beobachten. „Oft erkennen sie Probleme dann schon selbst“, so der Pädagoge. Das Modellprojekt wird wird seit Januar 2014 von der Elternschule gefördert.
„Für uns ist die frühe Hilfe wichtig“, sagt Brigitte Wesky, Kinderbeauftragte und Abteilungsleiterin des Kinderbüros Hamm. Die Beratung in der Schreisprechstunde ist kostenfrei und richtet sich an Eltern aus den Stadtteilen Hamm-Norden, Bockum-Hövel und Heessen. Seit dem 1. April haben elf Familien die Sprechstunde in Anspruch genommen. „Wir merken, dass wir mit diesem Beratungsangebot eine Lücke getroffen haben, der Bedarf ist hoch“, so Wesky. - fmh