Weiter Blick über die Lippeauen
Aussichtsplattform am Erlebnisraum: Trafostation wird umfunktioniert
Es ist so unscheinbar, dass mancher wahrscheinlich hunderte Male daran vorbeigefahren ist, ohne es wahrzunehmen: das Trafohäuschen der Stadtwerke direkt an der Münsterstraße unweit vom Hamtec. Die Wahrnehmung des Klinkerbaus aus den frühen 1950er Jahren dürfte eine komplett andere werden, sobald das Häuschen zur Aussichtsplattform umfunktioniert ist. Anfang 2022 soll die Plattform freigegeben werden.
Hamm – Dann wird der „Erlebensraum Lippeaue“ und die Stadt um eine Attraktion reicher sein, denn die Plattform erfüllt zweierlei: Sie erlaubt zu allen Seiten den Blick über die Auenlandschaft und sie hat in ihrer auffälligen Gestaltung selbst den Charakter einer Landmarke. Entworfen hat die Stahlkonstruktion das Hammer Büro Berghaus Architekten. Berghaus hat auch die weithin sichtbaren Haldenzeichen in Hamm entworfen. Diesmal wird die Farbe allerdings kein leuchtendes Orange sein, sondern ein etwas zurückhaltenderes Grün. Weil auf der gegenüberliegenden Seite der Münsterstraße bauliche Elemente in der gleichen Farbe erscheinen werden, entsteht zudem eine Art Torcharakter.
Drei Büros hatte die Projektgemeinschaft für den Erlebensraum aus Stadt Hamm und Lippeverband gezielt angeschrieben, Entwürfe für die Plattform einzureichen. Am Ende erhielt Berghaus den Zuschlag. Das Büro arbeitet bei dem Projekt mit Draheim Ingenieure (Hamm/Aachen) zusammen.
Aussichtsplattform: Planungen für Weitblick
Die Planer setzten auf eine Stahlkonstruktion in Lochblech-Optik, die das Bauwerk luftig erscheinen lässt und das Spiel mit Licht und Bewegung ermöglicht. Im Gegensatz zur schlichten Kastenbauweise des Trafohäuschens haben die Berghaus Architekten verspringende und asymmetrische Formen gewählt. Damit tritt ihr Entwurf in Beziehung zur Umgebung mit ihren landschaftlichen Verwerfungen in der Aue. Auch Vandalismussicherheit habe bei der Auswahl des Baumaterials eine Rolle gespielt.
Bislang sei die Betrachtung der Lippeaue nur aus der Horizontalen möglich gewesen, sagt Berghaus. „Mit der Plattform wird es einen echten Wow-Effekt geben“, glaubt er. Über die entsprechenden Sichtachsen, die teils von wucherndem Grün befreit werden, kann der Blick sowohl in Richtung der bereits fertiggestellten „Schweinemersch“ westlich der Münsterstraße als auch in Richtung Ruderclub und Wehr im Osten schweifen.
Das Trafohäuschen wird zur Aussichtsplattform umfunktioniert
Entbehrlich wäre das 1953 errichtete Trafohäuschen im Übrigen nicht. Darüber erfolgt die Versorgung des Hamtec und weiterer Gebäude in der Nähe. Von drei Seiten kommen und gehen hier unterirdische Leitungen. Cornelia Helm, Sprecherin der Stadtwerke, freut sich, dass der Bau jetzt eine zusätzliche Funktion bekommt: „So können Technik und Natur eine Verbindung eingehen.“ Gleichzeitig sei die neue Landmarke eine schöne Ergänzung zu dem „Blauen Band“, das sich als Lichtkunstwerk über Lippe und Kanal zieht.
Jens Berghaus ist zuversichtlich, dass die Freigabe der Plattform und der Schritt vom Modell in die „1. Etage“ an der Münsterstraße Anfang des kommenden Jahres erfolgen kann. Durch die Materialwahl sei eine relativ kurze Bauzeit möglich. Der Hauptausschuss hatte dem Projekt in der Sitzung vom 16. März zugestimmt.
