Tierarztpraxis Ostholz legt Fokus auf Pferde
Auf dem Lande und doch nah dran ist die neue Hammer Tierärztin
Pferde sind die Leidenschaft von Dr. Franziska Wiese seit sie drei Jahre alt war. Mehr als 30 Jahre später ist es immer noch so, nur dass die Pferde jetzt auch beruflich im Mittelpunkt stehen. Am Rande von Werries hat sie ihre Tierarztpraxis eröffnet.
Werries – Ob Dr. Franziska Wiese den Tieren das Sprechen beibringen kann? So wie Professor Tibatong? Wohl kaum, auch wenn der Name ihres Pferdes Libatong aus dem Kinderbuch „Urmel aus dem Eis“ abgeleitet ist. Der fantastische Tibatong steht eher für ihre Faszination für die Pferde und dafür, dass sie entsprechend mit den Tieren umgehen kann. Als neue Tierärztin im Hammer Osten will sie sich besonders diesen Tieren widmen. Anfang des Monats eröffnete sie ihre Praxis auf Gut Ostholz.
Neben der umfänglichen Versorgung für Pferde behandelt sie auch Kleintiere. Eine solche Praxis vergleichsweise weit draußen? Die Tierärztin hält den Standort für ideal.
Ein Fokus auf Pferde zu legen, kommt nicht nur ihrer persönlichen Leidenschaft nahe, sondern auch den Gegebenheiten. „Ich habe mir gedacht, in Hamm machen das nur wenige“, sagt sie. Idyllisch am Rande zwischen Wald und Kanal liegt die Tierarztpraxis – sehr ländlich. Im Umfeld des Guts Ostholz befinden sich mehrere Reitanlagen und haben Pferdehalter ihre Tiere stehen. „Im Notfall habe ich eine kurze Anfahrt“, sagt sie über den Standort nahe der Maximilianbrücke. Bei Koliken könne es um Minuten gehen. Auch bei Verletzungen könne sie schnell helfen.
Verstärkung zur Kleintiersprechstunde
Wenn Wiese nicht zu den großen Patienten hinausfährt, sondern sie zu ihr kommen, dann haben sie am Alten Uentroper Weg eine ganze Menge Platz auf dem Hof. Im Nebengebäude der Gutsanlage ließ Wiese eine Mietwohnung umbauen. Behandlungs- und Warteraum samt Außenfläche, Labor und Empfang sind auf rund 100 Quadratmetern eingerichtet. Zur Kleintiersprechstunde morgens und abends unterstützt sie eine Mitarbeiterin. Über die tierärztliche Grundversorgung hinaus bietet sie ein breites Leistungsspektrum.
Neben den lokalen Anforderungen spielte eine persönliche Komponente eine große Rolle bei der Wahl des Standorts. Der schien schon immer festzustehen. „Ich bin hier aufgewachsen“, sagt die 36-Jährige über das seit Generationen im Familienbesitz befindliche Gut. „Es war immer mein Ziel, nach Hause zurückzukommen.“
Ein Jahr auf der Insel
Das hat die 36-Jährige erreicht. In der Zwischenzeit ist viel passiert. Sie wuchs am Rande von Werries und Haaren mit Tieren auf. Bereits mit drei Jahren hielten Ponys Einzug auf dem Gut. Auf einem Pferdemarkt entdeckt, bereiteten die Wiese-Töchter den Tieren ein schönes Leben. Sie erlernten das Reiten.
„Ich wollte immer schon Tiermedizin studieren“, sagt sie mit Verweis auf ein von ihr gemaltes Bild aus dem ersten Schuljahr. Nach dem Abitur am Stein-Gymnasium lebte sie allerdings erst einmal ein Jahr als Vogelbeobachterin auf der Nordseeinsel Neuwerk. Nach dem Studium in Budapest, München und Berlin bekam sie 2010 die Approbation.
Beinahe wären es die Rinder geworden
Die Berliner Professoren waren „so nett“ und hatten ihren Studenten „so viel gezeigt“, dass Wiese beinahe ihren Schwerpunkt auf Rinder gelegt hätte. „Das sind tolle Tiere“, sagt sie, „sehr dankbar.“ Nach Jahren als Assistenztierärztin in Wingst und Werne arbeitete sie von 2016 bis 2018 in der Pferdeklinik des Gestüts Lewitz. In Mecklenburg hat der erfolgreichste deutsche Springreiter Paul Schockemöhle eine Weltklassezucht aufgebaut. Verständlich, dass bei solchen Perspektiven die Leidenschaft für die Pferde den absoluten Vorrang einnimmt. Nach zwei weiteren Jahren in der Pferdeklinik Telgte ist sie nach Hamm zurückgekommen.
„Pferde sind wunderschöne Tiere“, sagt sie und bekräftigt die Redensart „Alles Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde.“ Turniere reitet Wiese nicht, aber sie reitet gerne aus: „Es gibt nichts Schöneres.“
Tierarztbesuche in der Corona-Zeit
Tierärzte haben in der Corona-Krise offenbar mehr zu tun. Zumindest war das so im Mai während der starken Beschränkungen. An die Hygiene-Bestimmungen dürften sich die Tierhalter aber bereits gewöhnt haben.