Neuer Hingucker auf Hamms größer Baustelle
Erlebensraum: "Vibrationsbär" hilft bei Bau riesiger Spundwand
Früher als erwartet hat in Hamm mit dem Setzen der riesigen Spundwand der nächste spannende Bauabschnitt für den "Erlebensraum Lippeaue" begonnen. Wie schon der Lippestrand und der neue Deichverlauf ist das ein echter Hingucker.
Hamm - Ursprünglich sollte die knapp 1300 Meter lange Metallwand ab Juni 2020 errichtet werden. Doch Corona torpedierte auch diesen Zeitplan. Zuletzt war August genannt worden. Tatsächlich wurden die ersten Teile nun bereits in dieser Woche platziert. Das aufwendige Procedere, das jetzt in Höhe der Kläranlage Mattenbecke begann, wird sich nach Angaben des Lippeverbands bis Ende Januar 2021 hinziehen. Dann soll der Endpunkt nahe der Fährstraße erreicht sein.
Die mächtigen Platten werden im Mittel etwa 7,50 Meter tief in den Boden eingebracht, und der jetzt noch sichtbare rund 3 Meter hohe Teil wird später komplett vom neuen Deich verschluckt. Damit erhält die "HWS" (Hochwasserschutzanlage, wie es eigentlich heißt) die Stabilität, um im Notfall ein so genanntes „250-jähriges Hochwasser“ von den nördlichen Stadtbereichen fern zu halten - also ein Ereignis, das statistisch gesehen alle 250 Jahre passiert.
Vibrationstechnik reduziert Baulärm deutlich
Der Bauvorgang ist dabei deutlich leiser, als man vermuten könnte. Denn die Fachfirma setzt hier nicht auf die herkömmliche Ramm-Methode, sondern bringt die Doppelspundbohlen - über die ganze Distanz sind es zwei miteinander verbundene Elemente - mittels Vibrationstechnik ein. Das sei dort aufgrund der Bodenbeschaffenheit möglich, erklärt ein Stadtsprecher.
Technisch funktioniert das so: Ein Gerät namens Vibrationsbär erzeugt Schwingungen im unteren Bereich der Spundwand, was sich wiederum auf den umgebenen Boden überträgt. So werde der umgebende Boden vorübergehend in einen "pseudoflüssigen Zustand" versetzt, wie es die Profis beschreiben. Die Reibung zwischen "Rammgut" und Boden werde so stark reduziert, dass die Platten "einvibriert" werden können.
Allenfalls für wenige Zentimeter könne unter Umständen ein "letzter Schlag" erforderlich sein, ergänzt der Stadtsprecher. Gleichzeitig seien Messeinrichtungen für Lärm und Erschütterungen in Betrieb genommen worden.
Neuer "Deich" deutlich flacher und breiter
Parallel zum Spundwand-Bau wird der provisorische Deichverlauf weiter zurückgebaut, um Platz für die echte Hochwasserschutzanlage zu schaffen. Das geschieht jedoch nicht in einem Rutsch, sondern je nach Bodenbedarf an anderer Stelle.
Fast 70 Jahre hat der Lippedeich Heessen und den Hammer Norden vor Hochwasser geschützt. Für die Umgestaltung der Lippeaue zum ökologischen "Erlebensraum" wird der Damm nun im Auftrag der Projektplaner Stadt Hamm und Lippeverband nach Norden versetzt – und künftig ganz anders aussehen. Die neue Anlage soll deutlich flacher und breiter ausfallen und sich in die Landschaft einfügen. Oben auf den neuen Damm soll genügend Platz für eine breiten Radweg und einen zusätzlichen Fußweg sein.