Altmeiler Uentrop kostete bislang 2,43 Mrd. Euro
HAMM ▪ Der 1988 stillgelegte Prototyp eines Thorium-Hochtemperaturreaktors in Hamm-Uentrop hat bislang für Bau, Betrieb und Stilllegung 2,43 Milliarden Euro gekostet. Über die Kostensteigerungen hatte der WA bereits im August berichtet. Jetzt griff am Freitag auch die Nachrichtenagentur dpa das Thema auf. Bild.de, Focus.de nahmen die Meldung dankend auf.
Der Bericht bezieht sich auf eine Regierungsantwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen. Demnach schätzt die Bundesregierung die Aufwendungen für den Weiterbetrieb der eingeschlossenen Anlage bis zum Jahr 2030 und der anschließende Rückbau und der Zwischen- und Endlagerung radioaktiver Bauteile auf weitere 675 Millionen Euro. Dies berichtete der WA bereits am 8. August. Damit erhöhen sich die Kosten auf die errechneten 2,43 Millarden Euro. Der Bund hat von den 2,43 Milliarden Euro 1,42 Milliarden Euro gezahlt. Der Rest entfiel auf das Land Nordrhein-Westfalen, den Betreiber mit dem größten Anteilseigner RWE und den Hersteller.
Die Beteiligung der öffentlichen Hand geht auf den Umstand zurück, dass in den 60er Jahren die Kernkraft vorangetrieben werden sollte. Der 300 Megawatt-Meiler war eine Weiterentwicklung des Versuchsreaktors Jülich und lieferte nach einem zweijährigem Versuchsbetrieb zwischen 1985 und 1988 nach RWE-Angaben 2,8 Milliarden Kilowattstunden an das öffentliche Netz.
Für den Bau waren ursprünlich 970 Millionen DM vorgesehen. Nach Protesten gegen die Kernenergie in den 70er Jahren und Nachrüstungen während des Baus stieg der Preis auf 4 Milliarden DM (rund 2 Milliarden Euro). Der Bund trug davon 62,8 Prozent, das Land NRW 11,4 Prozent, die Betreibergesellschaft HKG 8,2 Prozent, der Hersteller (BBC, Krupp Reaktorbau und Nukem) 4,9 Prozent. 12,7 Prozent wurden über ein Darlehn finanziert.
Für die Stilllegungskosten wurden zwischen 1989 und 2009 430 Millionen Euro vorgesehen. Davon hat die HKG 35,6 Prozent übernommen, NRW 34,4 Prozent und der Bund 30 Prozent. Davon ist noch etwas übrig für die derzeit laufenden Kosten. Wer die weiteren 675 Millionen Euro bezahlt - der Betreiber geht in einer neuen Planrechnung sogar von 680 Millionen aus - muss noch ausgehandelt werden.
Die Betreibergesellschaft HKG besteht aus RWE (31 Prozent), Gemeinschaftskraftwerk Weser mit Eon und Stadtwerken Bielefeld (26 Prozent), Mark E AG (26 Prozent), Gemeinschaftskraftwerk Hattingen mit Stadtwerken Wuppertal und RWE (12 Prozent) und Stadtwerke Aachen (5 Prozent). ▪ dpa/WA