Lippesee bleibt Thema in Hamm: Wir wollen weiter Ihre Meinung
HAMM - Die Hammer Bürger haben nach sechs Jahren den Lippesee wieder als Thema entdeckt - und die Diskussion hält munter an. Seit einigen Tagen bieten wie eine - natürlich nicht repräsentative - Umfrage zum Thema an. Diese kann nach wie vor genutzt werden.
Die Umfrage finden Sie auf dieser Seite rechts oben neben der Schlagzeile!
Hier noch einmal die WA-Berichterstattung, die die neuerliche Diskussion ausgelöst hat:
Münster hat den Aasee, Dortmund den Phoenixsee – und Hamm hat keinen Lippesee. Während die Dortmunder ihre neue Wasserfläche feiern, sitzen die Hammer auf dem Trockenen. Immerhin, heißt es bei der Stadt, seien abgesehen vom Lippesee alle wichtigen Projekte des Masterplans „Hamm ans Wasser“ realisiert worden.
2006 stimmten die Bürger in Hamm gegen das Projekt Lippesee und widersetzen sich damit einem Trend, der ganz Westfalen erfasste. Mehr als ein Dutzend solcher „urbanen Wasseranlage“ sind in den vergangenen Jahren entstanden oder befinden sich in der Planung. Die Bandbreite reicht von kleinen Projekten, wie dem „Ennepe Bogen“ in Gevelsberg, bis zur „Wasserstadt Emscher Lippe“, die auf einer Fläche von rund 45 Hektar am Dortmund-Ems-Kanal in Datteln realisiert werden soll.
„Die Nachfrage nach solchen Quartieren ist zur Zeit ungemein stark“, sagt die Architektin und Stadtplanerin Prof. Christa Reicher von der
Technischen Universität in Dortmund. „Es gibt viele Menschen, die sich vom Wasser angezogen fühlen – nicht nur in Hamburg mit der Hafencity.“ Zum Beispiel in Münster: Dort hat sich der Stadthafen seit 1997 zum Kreativkai entwickelt. Wo früher Güter gelagert und Schiffe repariert wurden, befinden sich jetzt Restaurants, Musikclubs, Werbeagenturen und Ateliers. Und mit dem Dortmunder Phoenixsee sei ein Stahlwerk in eine begehrte Adresse für Wohnen, Arbeiten und Leben mit Seeblick verwandelt worden, sagt Reicher – ein Symbol für den Strukturwandel.
Dass diese Einschätzung nicht immer gilt, zeigte sich eben in Hamm. Es gab Zweifel an der Finanzierung und der versprochenen positiven Wirkung des „Lippesees“ für die Innenstadt. Beim Bürgerentscheid siegten die Seegegner.
Christa Reicher bezweifelt allerdings, dass in diesem Fall das Abstimmungsergebnis den Bürgerwillen repräsentierte: „In Hamm war man sich zu sicher, dass der See kommt. Deshalb sind die Befürworter gar nicht erst zur Wahl gegangen.“ Darüber hinaus, so Reicher, würde sich die Investition in urbane Wasserlagen in den meisten Fällen lohnen, da die Modernisierung alter Industriebrachen gerade im Ruhrgebiet zu einer enormen Aufwertung der Region führe – wie eben beim Dortmunder Phoenixsee.
In Hamm sieht man sich trotz der Ablehnung des Lippesees auf der Gewinnerseite – „Hamm ans Wasser“ habe schließlich nicht nur aus dem See bestanden, sagt Stadtsprecher Christian Strasen. Der 2001 aufgestellte Masterplan umfasst 58 Punkte, darunter das Projekt „Brücken & Licht“, der City-Kai, der Sportpark Ost und die Kanaltrasse. Auch die millionenschwere Verwandlung des Schacht-Franz-Geländes in den Lippepark habe seinen Ursprung letzlich im Masterplan. Nicht realisiert worden seien jene Vorhaben, die direkt mit dem Lippesee verbunden gewesen seien, sagt Strasen. Beispielsweise die Seebebauung auf der Heessener Seite. Auch die Ufergestaltung von Lippe und Datteln-Hamm-Kanal im Innenstadtbereich sehe ohne den See natürlich anders aus als eigentlich vorgesehen. - jf/wh
OB: Bürgerentscheid als Umsetzungs-Voraussetzung
Die Antwort lässt mehrere Möglichkeiten offen: „Ein Lippesee würde Sinn machen. Er muss aber nicht jetzt und auch nicht in Hamm gebaut werden“, erklärt Michael Steinbach für den Lippeverband, dass das öffentliche Unternehmen nach wie vor an einer weiteren Verbesserung des Hochwasserschutzes interessiert ist. Voraussetzung für ein Engagement in Hamm sei ein „eindeutiges Signal“ der Stadt für das Projekt, etwa durch einen neuen positiven Bürgerentscheid, so Steinbach.
Ohne ein erneutes direktes Votum der Bürger werde es keinen dritten Versuch zur Umsetzung eines Sees geben, verweist Oberbürgermeister T
homas Hunsteger-Petermann darauf, dass das Vorhaben 2006 deutlich am Willen der Bevölkerung gescheitert sei und deshalb ein neuer Ratsbeschluss für das Großprojekt nicht ausreiche. „Der Planfeststellungsbeschluss ist nicht mehr gültig“, verweist der OB zudem darauf, dass eine kurzfristige Umsetzung – etwa innerhalb eines Zwei-Jahres-Zeitraums – unmöglich sei. Bestimmte Untersuchungen müssen aber nicht erneuert werden.
Der OB teilt nicht die Auffassung der Architektin und Stadtplanerin Prof. Christa Reicher von der TU Dortmund, die – wie berichtet – dargestellt hatte, dass die Befürworter des Lippesees sich ihrer Sache zu sicher gewesen und deshalb nicht zur Abstimmung gegangen seien. „In der Schlussphase war der Gegenwind spürbar.“ Es habe vor sechs Jahren bewusst eine offene und transparente Darstellung der Pläne gegeben, aber die Argumente seien unter den damaligen Umständen (Debatte über den Zustand der Schulen und Straßen) nicht durchgedrungen. Beflügelt worden sei die Lippesee-Idee durch die damalige schwarz-gelbe Landesregierung, ob es eine solche Unterstützung nochmals geben werde, sei offen. „Sollte es eine realistische Chance geben, würde ich sie gern nutzen“, macht der OB deutlich, dass ihm die Umsetzung dieser Vision am Herzen liegt.
Der Lippeverbandsprecher verweist darauf, dass es unter wasserwirtschaftlichen Gesichtspunkten in jüngster Zeit Verbesserungen gegeben habe, aber „das Ende aller Wünsche ist noch nicht erreicht“, verwies er darauf, dass die Lippe stetig neue Herausforderungen bringe – auch wegen der Auswirkungen des Klimawandels.
„Kein Hindernis“ sei die Fernwärmeleitung, die die Stadtwerke von Bockum-Hövel durch die Lippewiesen bis zum Heessener Heizkraftwerk verlegt haben, so Geschäftsführer Jörg Hegemann. Die Stadtwerke hätten sich vor dem Bau schriftlich gegenüber der Stadt und dem Lippeverband verpflichtet, im Falle der Verwirklichung des Lippesees die Umlegungskosten zu tragen. - vor

