Schwachstellen im Radwegenetz: ADFC legt eine Bestandsaufnahme der Hammer Fahrradwege vor
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hat eine Bestandsaufnahme des gesamten Hammer Radwegnetzes vorgelegt und kritisiert den Zustand vieler Strecken – und das nicht nur im Hinblick auf brüchigen Asphalt, der oft der offensichtlichste Mangel ist.
Hamm – Im Zuge der Corona-Krise habe der Fahrradverkehr in Hamm in den vergangenen Monaten nochmal zugenommen, sagte der Hammer ADFC-Vorsitzende Klaus-Peter Kappelt.
Der ADFC hatte Radfahrer per Ideenmelder im Internet gebeten, Schwachstellen des Radwegenetzes zu melden und Verbesserungsvorschläge zu machen. Rund 400 Einträge habe man von Mai bis Juli registriert, sagte ADFC-Mitglied Walter Hupfeld, der den Ideenmelder entwickelt hat. Die Auswertung habe man nach Kategorien geordnet. Die wichtigsten Kritikpunkte am Hammer Netz:
Abstellmöglichkeiten
Die fehlen der Erhebung zufolge vor allem in Altstadt und Bahnhofsviertel. Rund um den Marktplatz seien Stellplätze rar, ebenso beispielsweise rund um die Goethestraße.
Anforderungsampeln
Viele Ampeln in Hamm sind für Radler und Fußgänger grundsätzlich auf Rot geschaltet. Wer passieren will, muss erst einmal Grün anfordern und eine Ampelphase lang darauf warten, während Autos automatisch freie Fahrt bekommen. Solche „Bettelampeln“ gibt es beispielsweise an Richard-Mattäei-Platz, Werler und Wilhelmstraße.
Fahrradpromenade
Auf der Ringstraße für Radfahrer hat sich dem ADFC zufolge in den 25 Jahren ihres Bestehens nicht viel verändert. Die Kreuzungen mit Marker Allee, Ostenallee und Südstraße seien nach wie vor ungesichert. Neues gebe es nur vor dem Stadtwerkehaus: eine undurchschaubare Mischfläche.
Leihräder
Die gibt es derzeit nur in der Innenstadt. Eine Nachfrage gibt es den Eingaben zufolge aber auch in den Stadtbezirken.
Querungen
An vielen Stellen kommt man in Hamm der Erhebung zufolge nicht sicher über die Straße. Ein besonders schlechtes Beispiele ist für den ADFC die ungesicherte Kreuzung von Dunantweg, Josef-Schlichter-Allee und Marker Allee.
Radschnellweg
Der ADFC fordert den Ausbau des Mitteldamms in Richtung Werne für den RS1. Richtung Uentrop solle der Uferweg entlang des Datteln-Hamm-Kanals nach ähnlichem Standard ausgebaut werden.
Schutzstreifen
Die müssen laut ADFC 1,50 Meter breit sein und dann noch einen halben Meter Abstand zu parkenden Autos aufweisen. Wo das nicht möglich ist, müsse Tempo 30 eingeführt werden. Erfahrungsgemäß hielten sich viele Autofahrer nicht an den gebotenen Überholabstand von 1,50 Metern.
Umlaufsperren
Gitter, die Autos aufhalten sollen, versperren an vielen Radwegen auch Lastenrädern und Fahrrädern mit Anhängern die Durchfahrt. Eine Alternative könnten laut ADFC schräg gestellte Gitter, Pfosten und Schwellen sein.
Verwaltung
Mehr Radverkehr lasse sich nur durch eine bessere Infrastruktur erreichen, heißt es beim ADFC. Bei aller Kritik am bestehenden Radwegenetz lobt der Verband die Stadtverwaltung aber für ihr Engagement. Hoffnungen setzt man ins angekündigte NRW-Mobilitätsgesetz.
Der Fahrradklimatest
Der ADFC ruft zum Fahrradklimatest 2020 auf. Radfahrer sind aufgefordert, ihre Erfahrungen in den bundesweiten Test einfließen zu lassen, um Stärken und Schwächen des Radverkehrs in den verschiedenen Städten und Kreisen auszumachen.
Es geht beispielsweise um Ampelschaltungen, zugeparkte Radwege und sichere Wegeführungen. Mitmachen kann jeder bis zum 30.November. Der Fahrradklimatest wird vom Bundesverkehrsministerium unterstützt. Abgestimmt werden kann hier auf der Internetseite des ADFC.