So funktionieren die mobilen Fahrzeugsperren für Hamm
34 Oktablöcke: Mit diesen Pollern will die Stadt Anschläge fernhalten
Mit 34 mobilen Fahrzeugsperren will die Stadt Hamm in den kommenden Jahren öffentliche Veranstaltungen aller Art gegen mögliche Anschläge sichern.
Hamm - Das originelle wie bemerkenswert effektive Prinzip heißt „Oktablock“ und löst nicht nur die klobigen Wasserblöcke ab, sondern auch die Diskussion über die Anschaffung versenkbarer Poller – obwohl sie sogar ganz ähnlich aussehen. Wer sich selbst ein Bild von den neuen Schutzsperren machen möchte, kann das derzeit auf dem Marktplatz tun: Zwischen der Pauluskirche und dem Edeka-Komplex stellt die Stadt seit Mittwochmorgen alle ihre Oktablöcke in einer Linie auf. Sie lassen dem Marktgeschehen genügend Platz und sollen kurz vor Beginn des Weihnachtsmarktes Mitte November so umgesetzt werden, dass dieser bestmöglich gegen unliebsame Eindringlinge geschützt wird.
Jörg Wiesemeier, Chef des städtischen Ordnungsamtes, ist ganz begeistert von dem Produkt der Firma Hörmann, das Vertretern der Stadt erstmals vor zwei Jahren bei einer Fachmesse in Münster aufgefallen war. Tatsächlich hatten diese Kombination aus Flexibilität und Effektivität weder die seit 2017 genutzten wassergefüllten, unhandlichen und personalintensiven „Indutainer“ noch die diversen diskutierten Alternativvarianten.
Poller-Sicherheit für Hamm: Das sind die neuen „Oktablöcke“




Oktablöcke für mehr Sicherheit in Hamm: Krallenkranz als Clou
Obschon die Oktablöcke recht unscheinbar aussehen, sind sie bei einer Höhe von 1,25 Metern doch enorm schwer: Massiv aus Metall, bringt jeder einzelne Poller rund 450 Kilogramm auf die Waage. Für den Transport braucht es also einen Lkw, für das Versetzen begleitend einen Bagger. Weil Form und Gewicht allein ein schweres Fahrzeug zwar bremsen, aber nicht stoppen können, stehen die Elemente auf einem 80 Zentimeter breiten Krallenkranz: Kippt dieser beim Aufprall mit dem Poller um, bohrt er sich zum einen in den Asphalt und zum anderen in den Fahrzeugunterbau. Durch die durch diese Verkeilung erzielte Bremswirkung soll das Fahrzeug nach wenigen Metern fahruntüchtig zum Stehen kommen.
Dass dieses Prinzip funktioniert, belegt ein entsprechendes Richtlinienzertifikat der Polizei. Im Internet finden sich zudem etliche Crashtest-Videos, die das Bremsverhalten demonstrativ-eindrucksvoll darstellen.
Den ersten Einsatz haben die Hammer Oktablöcke übrigens schon hinter sich: Ein Teil von ihnen war beim Kulturfest „h4“ im September 2021 an verschiedenen Orten platziert. Der erste „Großeinsatz“ wird direkt mehrere Wochen dauern: Die Poller sollen vom 22. November bis 30. Dezember den Weihnachtsmarkt in der Innenstadt schützen. Zuvor werden sie am kommenden Wochenende vielen Besuchern des „Bunten Herbsts“ auffallen.
Technische Details der Oktablöcke
Die Oktablöcke erfüllen die Crash-Test-Standards der internationalen Sicherheitsnormen BSI PAS68:2013 und IWA-14-1:2013. Bei der vorgeschriebenen Prüfung fährt ein unbemannter Lkw mit einem Testgewicht von 7,5 Tonnen und einer Geschwindigkeit von 50 km/h gegen ein einzelnes Oktablock-Modul. Die daraus resultierende Aufprallenergie beträgt circa 750.000 Joule.
Der (in Hamm genutzte) Oktablock „TR“ ist nach den nochmals strengeren Anforderungen der technischen Richtlinie der deutschen Polizei für mobile Fahrzeugsperren konzipiert und zertifiziert. Bei dem auf nasser Fahrbahn durchgeführten Test muss die Barriere einen Aufprall aus zwei unterschiedlichen Winkeln von 90 und 45 Grad abfangen, wobei die maximale Aufprallenergie in der Schutzklasse SK1B bis zu 986.000 Joule beträgt.
Oktablöcke für mehr Sicherheit in Hamm: auch eine Kostenfrage
Vor der Anschaffung der Oktablöcke war in der Hammer Politik intensiv über den Einsatz versenkbarer Poller an strategisch wichtigen Punkten diskutiert worden. Doch letztlich sprachen drei Aspekte dagegen: keine Mobilität, großer baulicher Aufwand und vor allem allzu hohe Kosten (20.000 Euro je Stück). Letztmals tauchte das Thema im Februar 2020 öffentlich auf, als ein Stadtsprecher kleinlaut von einer „möglichen Neubewertung“ sprach. Das Hörmann-Angebot ließ sich die Stadt laut Wiesemeier übrigens einen „nicht ganz so hohen sechsstelligen Betrag“ kosten, der „jedenfalls weit unter dem Preis für die versenkbaren Varianten“ liege.
Probeaufbau mobiler Sperren für den Hammer Weihnachtsmarkt 2017




Der Ordnungsamtsleiter schließt nicht aus, dass über kurz oder lang weitere Oktablöcke angeschafft werden: Der Weihnachtsmarkt gilt in dieser Hinsicht also gewissermaßen als Testlauf. Er weist aber auch darauf hin, dass auch die Indutainer nach wie vor im Bestand und damit bei Bedarf einsetzbar sind.