Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

„Lothar“ bringt sommerliches Wetter nach Deutschland: Datum knackt 20-Grad-Marke

Ein Hauch von Sommer statt Orkan-Schrecken: „Lothar“ bringt Deutschland milde Temperaturen. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Hamm – Wenn Meteorologen heute „Lothar“ sagen, horchen viele auf – und das zu Recht. Der Name steht in Deutschland für eine der schlimmsten Sturmkatastrophen der vergangenen Jahrzehnte. Am 26. Dezember 1999 fegte Orkan Lothar mit Windgeschwindigkeiten von über 200 km/h über Teile Westeuropas hinweg.

Sturm Lothar erreicht am Mittwoch (29. Oktober) Deutschland. Doch mit Orkan Lothar hat er wenig gemeinsam.

Besonders Frankreich, die Schweiz und Süddeutschland wurden schwer getroffen. Ganze Wälder wurden vernichtet, Millionen Bäume fielen wie Streichhölzer um, Stromleitungen rissen, Dächer wurden abgedeckt und der Bahnverkehr kam zum Erliegen. 110 Menschen verloren damals ihr Leben – eine Katastrophe, die sich tief ins kollektive Wettergedächtnis eingebrannt hat.

Wetter-Prognose: Lothar 2025 – kein Orkan, sondern ein Wärmeschub

Doch der „Lothar“, der jetzt Deutschland erreicht, ist kein Orkan – sondern eher ein Bote des Spätherbsts im Frühlingston. Das Tiefdruckgebiet bringt kräftigen Südwestwind, der Warmluft aus Südwesteuropa heranführt. Schon ab Donnerstag steigen die Temperaturen bundesweit deutlich an.

Besonders am Reformationstag (31. Oktober) und an Allerheiligen (1. November) stehen die Zeichen auf mild bis warm. Während im Norden und Osten 15 bis 18 Grad erwartet werden, könnte der Südwesten mit 22 bis 23 Grad fast an frühsommerliche Werte heranreichen. Im Alpenföhn sind lokal sogar 24 bis 25 Grad möglich – ein kleiner „Sommergruß“ mitten im Spätherbst.

Tornados, Wüstenstürme, Zyklone: Wetterphänomene, die Sie kennen sollten

Polarlichter, auch als Aurora Borealis (Nordlicht) oder Aurora Australis (Südlicht) im Bundesstaat New York.
Görlitz - Polarlichter über Sachsen zu sehen am 11.10.2024 in Görlitz
Ein Tornado über dem Gardasee.
Kim Vanaken (L) und Schwester Angela Coble (M) vor ihrem zerstörten Haus durch El Reno, Oklahoma, USA, 01 June 2013.
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Ganz ohne Wetterkapriolen geht es aber nicht. Zwar zeigt sich gebietsweise die Sonne, doch immer wieder ziehen Wolkenfelder durch, teils mit leichtem Regen. Vor allem im Westen und Norden bleibt es zeitweise windig, im Bergland können einzelne stürmische Böen auftreten. Im Süden dagegen sorgt der Föhn nicht nur für ungewöhnlich warme, sondern auch für sehr klare Momente. Wer dort das verlängerte Wochenende verbringt, darf sich auf fast frühlingshafte Temperaturen und sonnige Stunden freuen.

Wetter an Allerheiligen: Statt grauem Novemberwetter fast T-Shirt-Temperaturen

Normalerweise gilt Allerheiligen als grau, nass und kühl – oft mit kaum mehr als 10 Grad. Dieses Jahr allerdings wird der Feiertag ungewöhnlich mild. In weiten Teilen Deutschlands liegen die Höchstwerte zwischen 15 und 20 Grad, und besonders am Oberrhein oder im Alpenvorland kann man die Jacke guten Gewissens zu Hause lassen.

Zum Sonntag hin kündigt sich dann eine leichte Abkühlung an, begleitet von einzelnen Schauern. Doch der neue Lothar hat da längst seine Mission erfüllt: Er sorgt für den vielleicht letzten Hauch von Spätsommer im Jahr 2025 – und das mitten im Herbst.

Rubriklistenbild: © Wetterdienst Q.met / www.wetter.net

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