Kampagnen für mehr Sicherheit
Sexuelle Übergriffe auf Kinder: Erste Freibäder führen Safeword ein
Immer wieder sexuelle Übergriffe auf Kinder und Jugendliche in deutschen Freibädern diesen Sommer. Welches Bad ein „Safeword“ einführt und welche Schutzkampagnen es noch gibt.
Nach sexuellen Übergriffen auf nichts Böses ahnende Kinder in gleich mehreren deutschen Freibädern sind viele Eltern in großer Sorge. Können sie ihre Kleinen noch guten Gewissens gefahrlos ins Schwimmbad gehen lassen? Damit aus einem unbeschwerten Sommertag im erfrischenden Wasser kein Albtraum wird. Immer mehr Badeanstalten setzen auf Kampagnen zum Schutz ihrer Besucher vor sexueller Gewalt.
Sexuelle Übergriffe auf Kinder: Erste Freibäder führen Safeword ein
So hat das Freibad in Büren im Landkreis Paderborn (NRW) ein sogenanntes Safeword eingeführt, mit dem sich Kinder bei entsprechenden Vorfällen bei Erwachsenen melden können, wie die Stadt Büren mitteilt. Damit sollen bereits die Kleinen, aber auch die anderen Badbesucher für das alarmierende Thema sensibilisiert werden.
Das „Codewort Tiki“ ist jedoch nur ein Teil des neuen Kinder- und Jugendschutzprojekts „Sommer – Sonne – Sicherheit“, die Ende Mai 2025 mit der Freibadsaison gestartet ist. Erklärtes Ziel der Kampagne ist es, „Kinder und Jugendliche für das Thema sexuelle Grenzverletzungen im Schwimmbad zu sensibilisieren, ihnen Mut zu machen, ihre Grenzen zu wahren, und zu zeigen, wo sie im Ernstfall Hilfe bekommen können“.
Im Gelnhausen (Hessen) wurden neun Mädchen zwischen elf und 17 Jahren im dortigen Freibad von vier Männern belästigt. Wie BILD das hessische Landeskriminalamt (LKA) zitiert, habe es alleine in dem Bundesland im Jahr 2024 insgesamt 74 angezeigte Fälle sexueller Übergriffe in Schwimmbädern gegeben. Die Dunkelziffer dürfte jedoch weit höher liegen.
Bürgermeister appelliert an alle: „Nicht wegschauen“
„Kinder und Jugendliche sollen ihre Freizeit im Freibad genießen können – sicher, frei und unbeschwert“, betont Bürgermeister Burkhard Schwuchow (CDU). „Uns alle rufe ich deshalb auf, nicht wegzuschauen, wenn uns eine Situation nicht richtig erscheint, sondern Hilfe zu holen – sei es in Bezug auf andere oder auf uns selbst.“ Dafür wurden eigens Schulungen für Fachkräfte und Bäderpersonal durchgeführt. Zudem machen Flyer, Plakate und kreativ gestaltete Freibadwände auf die Kampagne aufmerksam.
Und um genau diese Hilfe einzufordern, gibt es nun auch das Safeword, das Kinder und Jugendliche verwenden können, wenn ihnen möglicherweise die Worte fehlen, um einen Vorfall zu beschreiben, mit dem sie sich nicht wohlfühlen. Die Kinder können das Codewort dann in einfache Sätze einbauen wie „Hast du Tiki heute schon gesehen?“ Tiki heißt übrigens auch das tierische Logo der Kampagne – eine Schildkröte, die Schutz Stärke und Achtsamkeit symbolisiert.
Drei aktuelle Beispiele aus Baden-Württemberg
Erst am Mittwoch (2. Juli) gegen 17:40 Uhr ereigneten sich drei Vorfälle in Baden-Württemberg: In Besigheim fasste ein 27-jähriger Mann im Schwimmerbecken einem 14-jährigen Mädchen an den Po, streichelte eine zweite Jugendliche am Arm. Ein alarmierter Bademeister übergab den Verdächtigen schließlich der Polizei.
Fast zeitgleich soll ein bislang unbekannter, etwa 40-jähriger Mann mit „deutlichem Bierbauch“ einen kleinen Jungen (8) im Freibad in Eltingen unsittlich berührt haben. Das Kind wurde von dem Gesuchten im Strömungskanal überholt und dabei laut Polizei mehrmals oberhalb der Badehose im Geschlechtsbereich berührt.
Ebenfalls am Mittwoch lag ein 25-jähriger Mann gegen 17 Uhr auf einer Sprudelliege im Nichtschwimmerbecken des Asperger Freibads und masturbierte vor den Augen von mehreren Kindern. Eine von drei Jungen darauf hingewiesene Bademeisterin und der Betriebsleiter hielten den Mann bis zum Eintreffen der Polizei im Erste-Hilfe-Raum fest. In allen drei Fällen wird wegen sexueller Belästigung bzw. wegen Missbrauchs von Kindern ermittelt.
Fast 100 Schwimmbäder bei Aktion „RespektPommes“ dabei
Auch die bundesweite Aktion „RespektPommes“ der NEW-Gruppe soll für mehr „Rücksicht und ein friedliches Miteinander“ in deutschen Freibädern sorgen. Kernstück der Aktion ist die sogenannte „Frittikette“ – in Anlehnung an Etikette: Dies sind humorvoll formulierte Regeln für ein respektvolles Verhalten.
Die Pommes frites als beliebter Freibad-Snack soll für mehr Toleranz und Zusammenhalt bei dem ernsten Thema sorgen. Weil Pommes im Schwimmbad ebenso dazugehören, wie Respekt voreinander. Aktuell 97 Bäder in ganz Deutschland nehmen an der Aktion teil (Stand 3. Juli). Unterstützung gibt es von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB).
„Uns hat die außergewöhnliche und kreative Idee, die hinter der Aktion RespektPommes steckt, direkt überzeugt. Keine Frage, dass wir die NEW bei der Akquise weiterer Bäder über unsere Kanäle unterstützen“, so DGfdB-Geschäftsführer berichtet Christian Mankel.
„Gierige Blicke sind nur bei Pommes ok“
„Wir haben klare Regeln in humorvolle Formulierungen verpackt, um bei einem ernsten Thema unterhaltsam Zugang zu den Menschen zu gewinnen“, erklärt Armin Brückner, Leiter der NEW-Bäder. So wirbt die Kampagne mit frechen Slogans wie „Versalz anderen nicht die Stimmung – behandle alle mit Respekt“ oder „Gierige Blicke sind nur bei Pommes ok“.
Eigene Kanäle in den Sozialen Medien Instagram und TikTok sollen bei jüngeren Badbesuchern den Bekanntheitsgrad steigern.
Rubriklistenbild: © dpa
