Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Wetter-Modell schürt ersten Verdacht – Eindeutige Winter-Prognose zeichnet sich ab
Die CFS-Prognose lässt kaum Zweifel: Der kommende Winter könnte erneut deutlich zu mild ausfallen – mit Folgen für Natur und Winterfans. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Hamm - Seit mehreren Wochen bleibt die Langfristprognose des US-amerikanischen Wettermodells CFS (Climate Forecast System) erstaunlich konstant. Für den Winter 2025/26 wird ein Temperaturniveau vorhergesagt, das im Schnitt zwischen 1 und 2 Grad über dem Referenzzeitraum 1991 bis 2020 liegt. Sollte die Abweichung tatsächlich im Bereich von 2 Grad landen, wäre dies ein weiterer Kandidat für die Liste der wärmsten Winter seit Beginn der Aufzeichnungen 1881.
Selbst im Fall einer positiven Abweichung von „nur“ einem Grad wäre es immer noch ein milder Winter, der deutlich über dem klimatologischen Mittel liegt. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt, dass das Modell trotz Skepsis und Kritik meist erstaunlich nah an der Realität lag. Zwar gab es auch in diesen Wintern kurze, knackig kalte Phasen, doch in der Gesamtbilanz dominierte die positive Abweichung am Ende klar.
Kritik an den Wetter-Prognosen hält sich hartnäckig
Ein häufig geäußerter Vorwurf lautet, dass das CFS-Modell Inversionswetterlagen unterschätze und dadurch systematisch zu milden Ergebnissen komme. Dieser Gedanke klingt auf den ersten Blick logisch, ist bei näherem Hinsehen jedoch kaum haltbar. Denn eine längerfristige und durchgehende Inversionslage, die einen ganzen Winter massiv beeinflusst, gibt es in unseren Breiten schlicht nicht.
Meist bedeutet Inversion: unten kühl und neblig, oben in den Bergen dagegen sehr mild. Das verzerrt zwar regional kurzfristig den Eindruck, aber es ändert nichts an der großräumigen Wärmebilanz über die gesamte Jahreszeit. Wenn die Daten am Ende klar zeigen, dass die Winter im Schnitt mehr als ein Grad zu warm waren, dann bleibt es bei der Klassifikation als Mildwinter, auch wenn zwischendurch zwei Wochen Schnee und Kälte für winterliche Gefühle sorgten.
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Wetter-Ausblick für den Winter: Mild, aber ausgeglichen bei den Niederschlägen
Besonders spannend ist die aktuelle Aussage des Modells hinsichtlich der Niederschläge. Der Winter 2025/26 soll weder trockener noch nasser als im Mittel ausfallen, sondern recht ausgeglichen verlaufen. Dies könnte bedeuten, dass es zwar hin und wieder zu Schneefällen kommt, diese aber rasch wieder in Tauwetter übergehen. Für Skigebiete auf mittleren Höhenlagen bleibt die Lage somit angespannt, da die Basis für durchgehend stabile Schneedecken fehlen dürfte.
Gleichzeitig besteht aber auch keine erhöhte Gefahr von außergewöhnlich nassen Wintern mit Hochwasser. Vielmehr zeichnet sich eine Fortsetzung des Trends ab, der in den vergangenen Jahren immer deutlicher zu beobachten war: Ein Winter, der insgesamt zu mild verläuft, aber regional und zeitlich durchaus abwechslungsreiche Wetterphasen zulässt. Für viele dürfte das Ergebnis ernüchternd sein – erneut kein klassischer, langer Kältewinter, sondern ein Mildwinter, der in die Statistik passt.
Während viele bereits dem Winter entgegenblicken, wird Deutschland aktuell vom ersten Herbststurm erfasst. Die Woche startet mit Böen bis 110 km/h, peitschendem Regen und Gewitter.
Rubriklistenbild: © US-Wetterbehörde NOAA / CFS-Klimamodell
