Studie

Studienteilnehmer erhalten 1200 Euro pro Monat - Grundeinkommen für jeden?

Eine Studie soll wichtige Erkenntnisse zum Grundeinkommen bringen. Menschen erhalten dafür monatlich 1200 Euro. Doch dafür müssen sie etwas tun.

Hamm – 1200 Euro jeden Monat kassieren, ohne zu arbeiten. Das ist sicherlich ein Traum, den viele Menschen haben. Für 122 Probanden einer Studie ist er in Erfüllung gegangen, wie etwa für Samira Korves (30) aus Münster (NRW).

Dahinter steckt das Pilotprojekt Grundeinkommen, das der Verein Mein Grundeinkommen gemeinsam mit einem Forschungsteam von unabhängigen Wissenschaftlerinnen des DIW Berlin und der Wirtschaftsuni Wien im Prinzip Grundlagenforschung für Deutschland betreibt.

„Wir schauen uns an, was das Grundeinkommen mit Menschen aus der Mittelschicht in Deutschland macht. Denn dass es Menschen, die von Armut betroffen sind, mit einem Grundeinkommen nicht nur finanziell, sondern auch mental besser geht, haben viele internationale Studien bereits bewiesen“, erklärt Projektleiterin Janine Busch auf Nachfrage von wa.de. Der Ansturm war enorm.

Studie zum bedingungslosen Grundeinkommen: Unzählige Menschen wollten die 1200 Euro pro Monat

„Über 2,1 Mio. Menschen haben sich 2020 für die Studie beworben, es waren interessanterweise auch einige Gegner des Grundeinkommens dabei. Auch diese sind übrigens als Probanden in unserer Studie gelandet“, sagt Busch. „Wir als Verein möchten gerne aufräumen mit einigen Vorurteilen zum Grundeinkommen, aber wir müssen uns auch selbst von den Ergebnissen überraschen lassen. Wir arbeiten bei dieser Studie mit einem unabhängigen Forschungsteam zusammen“, sagt sie und hofft am Ende der Studie „möglichst belastbare Aussagen treffen zu können“.

Seit Juni 2021 zahlt ihr Team daher an 122 Probanden ein Grundeinkommen von 1200 Euro pro Monat aus, drei Jahre lang, bis Mai 2024:

  • Die Studie umfasst insgesamt 1500 Teilnehmer, davon 122 in der Grundeinkommensgruppe und 1380 weitere in der Vergleichsgruppe, die kein Grundeinkommen erhalten.
  • An die Grundeinkommensgruppe werden monatlich 1200 Euro als Schenkung – steuerfrei – überwiesen.
  • Die Probanden füllen alle sechs Monate Online-Fragebögen aus und werden auch medizinisch begleitet – zur Analyse des Stresslevels werden beispielsweise Haarproben ausgewertet.
  • Die Vergleichsgruppe erhält während der Studie eine Aufwandsentschädigung und hat die Chance, in die Grundeinkommensgruppe nachzurücken.
  • Die Studie geht über drei Jahre und wird finanziert von rund 150.000 privaten Auftraggebern.

Zur Probandengruppe gehören auch Menschen, die kein Grundeinkommen erhalten

„Man kann Menschen auch für einen kürzeren Zeitraum beforschen und erhält Ergebnisse, aber um Langzeiteffekte messen zu können, sind drei Jahre schon sehr hilfreich. Mehr geht natürlich immer, da muss man dann irgendwann abwägen zwischen der Hoffnung, mehr Effekte zu sehen und dem finanziellen Aufwand, den so eine Studie mit sich bringt“, sagt Projektleiterin Busch, die nicht nur auf die Ergebnisse der Menschen gespannt ist, die jeden Monat das Grundeinkommen erhalten.

Neben der Grundeinkommensgruppe gibt es eine Vergleichsgruppe mit 1380 Menschen, die kein Grundeinkommen erhalten, „die aber für die Studie enorm wichtig sind, denn nur durch sie können wir herausfinden, ob ein Effekt am Grundeinkommen liegt oder daran, dass sich am Verhalten in der Gesellschaft allgemein gerade etwas ändert, zum Beispiel durch Inflation“, sagt Busch. 

Einen aktuellen Zwischenstand möchte sie noch nicht verraten. Aus Angst, die Ergebnisse der Studie zu verfälschen. „Wir wollen den finalen Erkenntnissen nicht vorgreifen. Es könnte Einfluss auf das weitere Verhalten der Probanden haben, und das wollen wir wie bereits erwähnt vermeiden. Im Herbst 2024 können wir voraussichtlich über die Ergebnisse unserer Studie sprechen, und wir sind selber schon sehr gespannt drauf“, erklärt Busch. Sie und ihr Team sind dabei nicht die ersten und einzigen, die die Auswirkungen eines Grundeinkommens mal genauer unter die Lupe nehmen.

Studie zum Grundeinkommen wird komplett über Privatspenden finanziert

„Es gibt seit den 1960er Jahren weltweit über 200 Studien zu Grundeinkommen“, sagt Busch. Es handele sich dabei nicht immer um ein Grundeinkommen nach den Maßstäben des Vereins, die da wären: bedingungslos, existenzsichernd, die Möglichkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe, meint sie. Und noch etwas würde dem Pilotprojekt Grundeinkommen ein Alleinstellungsmerkmal verschaffen: die Art der Finanzierung.

„Die Studie wird tatsächlich von über 200.000 Privatspendern finanziert. Das ist einzigartig in der Welt und macht unsere Studie unabhängig von politischen Interessen. In der staatlich geförderten Finnland-Studie gab es damals zum Beispiel einen Regierungswechsel, sodass diese früher beendet wurde, als geplant. Das kann uns nicht passieren“, erklärt Busch.

Noch ist und bleibt das Grundeinkommen ein Traum. Die Studie könnte aber helfen, ihn irgendwann zu realisieren – für alle, damit sich die Schere zwischen Arm und Reich nicht noch weiter öffnet. „Das tut einer Gesellschaft auf lange Sicht nicht gut, und es muss sich was ändern. Da ist es wahrscheinlich nicht verwunderlich, dass in einer Umfrage des DIW zwischen 45 und 55 Prozent der Befragten ein bedingungsloses Grundeinkommen befürworten würden“, sagt Busch.

Rubriklistenbild: © IMAGO

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