Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Nächster Wetter-Umschwung steht kurz bevor: Modelle überraschen mit Prognose

Das erste Novemberwochenende soll Temperaturen über 20 Grad bringen. Die Wettermodelle überraschen mit einer außergewöhnlichen Prognose. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Hamm – Das Wetter in Deutschland bleibt launisch. Nach einem stürmischen und nassen Wochenverlauf mit Regenfronten, starken Böen und spürbarem Temperaturrückgang beruhigt sich die Lage zum Freitag (24. Oktober) deutlich. Die Luft wird kühler, vielerorts liegen die Höchstwerte nur noch zwischen 10 und 15 Grad. Der Herbst zeigt sein typisches Gesicht – grau, kühl, windig. Doch pünktlich zu Allerheiligen und zum ersten Novemberwochenende (1. und 2. November) kündigt sich eine Wetterwende an, die alles andere als herbstlich ist.

Das wäre wirklich extrem für Allerheiligen bzw. für das erste Novemberwochenende 2025. Die Modelle GFS und ECMWF rechnen mit Spitzenwerten um oder sogar deutlich über 20 Grad.

Das amerikanische Wettermodell GFS der NOAA sorgt mit seiner Prognose bereits seit Tagen für Aufsehen: Es simuliert einen kräftigen Warmluftschub nach Mitteleuropa, der die Temperaturen in Deutschland auf 17 bis 22 Grad ansteigen lässt. Nun zieht das europäische Modell ECMWF nach – und das noch eindrucksvoller.

Von nass und stürmisch zu fast sommerlich – Wettermodelle prognostizieren extreme Wärme

Es zeigt in etwa 1500 Metern Höhe bis zu 19 Grad im Süden des Landes. Das ist außergewöhnlich, denn in dieser Luftschicht herrschen Anfang November normalerweise nur rund 2 bis 5 Grad. Meteorologisch gesehen handelt es sich um ein regelrechtes Wärme-Highlight.

Wenn solche Warmluftmassen auf Deutschland treffen, steigen auch am Boden die Temperaturen deutlich. Bei leichtem Föhn und Sonnenschein könnten im Westen und Südwesten 22 bis 23 Grad erreicht werden. Das entspräche einem typischen Maitag – nur eben mitten im Spätherbst.

Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde

Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben.
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer.
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen.
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen.
Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde

Statt Nebel und Regen herrscht dann fast Frühlingsstimmung, womöglich sogar T-Shirt-Wetter. Viele Regionen dürften dazu strahlenden Sonnenschein erleben, da beide Modelle auch weitgehend trockenes Wetter vorhersagen. Von winterlicher Kälte, Schneeflocken oder einem Einfluss des Polarwirbels gibt es in den aktuellen Modellläufen keine Spur.

Im Gegenteil: Die Wetterkarten zeigen stabile Hochdruckgebiete und milde Luftmassen, die sich bis weit in die erste Novemberwoche halten könnten. Für Meteorologen ist das eine kleine Sensation – für alle anderen ein Geschenk des Wetters. Sollte die Prognose so eintreten, erleben wir zum ersten Novemberwochenende 2025 einen der wärmsten Novemberstarts seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Rubriklistenbild: © www.wetterzentrale.de

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