Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Polarwirbel schwächelt, Prognosen schwanken: Spätes Winterchaos könnte Deutschland treffen
Kollabiert der Polarwirbel jetzt wirklich und stürzt Europa in ein spätes Winterchaos? Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Mitteleuropa erlebt derzeit eine blockierte Wetterlage, die kaum Bewegung zulässt. Ein ausgedehntes Hoch über dem hohen Norden lenkt kalte Kontinentalluft in den Nordosten Deutschlands, während im Südwesten ungewöhnlich milde Luft dominiert. Diese Temperaturspanne reicht von strengem Dauerfrost bis zu frühlingshaften zweistelligen Werten.
Ursache ist ein stark nach Süden verlagerter Jetstream, der Tiefdruckgebiete aus dem Atlantik ausbremst. Statt wechselhaftem Westwetter herrscht atmosphärische Stagnation. Dadurch verharren Hochs und Tiefs über Tage nahezu ortsfest und verstärken die bestehenden Gegensätze weiter. Besonders auffällig ist die ungewöhnliche Dauer dieser Lage, die Prognosen zufolge noch einige Zeit anhalten könnte und viele Wetterbeobachter nervös macht.
Wetter-Folgen erst zwei Wochen danach: Polarwirbel-Kollaps keine automatische Kältegarantie
Gleichzeitig rückt ein Geschehen in der Stratosphäre in den Fokus. In rund dreißig Kilometern Höhe schwächen sich die Westwinde deutlich ab. Einige Modellrechnungen simulieren sogar eine Umkehr der Strömung, was eine Aufspaltung des Polarwirbels bedeuten würde. Ein solcher Prozess verändert die gesamte Zirkulation der Nordhalbkugel, wirkt jedoch nicht sofort am Boden.
Erst nach ein bis zwei Wochen können sich die Folgen in Form veränderter Druckmuster bemerkbar machen. Wichtig ist dabei, dass ein Polarwirbelsplit keine automatische Kältegarantie für Europa darstellt. Mediale Zuspitzungen greifen daher oft zu kurz und blenden die komplexen Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre, Ozeanen und bestehenden Wetterlagen vollständig aus weltweit.
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Aktuelle Wetterprognosen für Deutschland zeigen widersprüchliche Signale
Ob aus der stratosphärischen Unruhe tatsächlich winterliche Konsequenzen entstehen, hängt stark von der Ausgangslage ab. Blockierende Hochdruckgebiete über Europa oder Grönland erhöhen statistisch die Chance auf polare Kaltluftvorstöße. Gleichzeitig spielt die ausgedehnte Schneedecke über Eurasien eine Rolle, da sie das sibirische Kältehoch stabilisieren kann. Dieses wirkt wie eine Barriere gegen atlantische Tiefs.
Aktuelle Prognosen zeigen jedoch widersprüchliche Signale zwischen milderen Westlagen und möglichen Kältefenstern. Eine späte Winterphase ist damit leicht wahrscheinlicher als üblich, aber keinesfalls sicher. Fest steht jedoch, dass der Februar meteorologisch alles andere als langweilig wird. Kleine Verschiebungen im Druckfeld können große Auswirkungen haben und den Witterungsverlauf kurzfristig komplett verändern.
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