Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Klima in Europa: Forscher entdecken besorgniserregende Entwicklung beim Temperaturanstieg

Die Erde wird wärmer – aber nicht überall gleich. Besonders Europa und die Arktis erleben eine beschleunigte Hitzewelle. Was steckt dahinter? Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Frankfurt – Während der Planet insgesamt wärmer wird, geschieht das in Europa mit doppeltem Tempo. In den letzten drei Jahrzehnten ist die globale Durchschnittstemperatur um etwa 0,26 Grad Celsius pro Jahrzehnt gestiegen. In Europa liegt dieser Wert bei alarmierenden 0,53 Grad – schneller als auf jedem anderen Kontinent. In der Arktis beträgt der Anstieg sogar rund 0,69 Grad pro Jahrzehnt.

Ein entscheidender Vergleich: Seit der vorindustriellen Zeit hat sich die Erde um rund 1,3 Grad erwärmt. Europa liegt bei etwa 2,4 Grad – fast doppelt so hoch. Die Arktis erreicht sogar eine Erwärmung von über 3,3 Grad. Die Folgen sind bereits spürbar: Extremwetter, neue Temperaturrekorde und mehr Hitzetage sind zur neuen Normalität geworden.

In Europa schreitet der Klimawandel deutlich schneller voran als im Rest der Welt.

Erderwärmung steigt rasant: Warum ausgerechnet Europa?

Die Gründe für Europas beschleunigte Erwärmung sind vielschichtig. Zum einen verändert sich die atmosphärische Zirkulation – also die großräumigen Luftbewegungen über dem Kontinent. Das führt zu mehr stabilen Hochdrucklagen im Sommer, die Hitze stauen und kaum Regen durchlassen.

Gleichzeitig hat sich Europas Luftqualität verbessert: Weniger Luftverschmutzung bedeutet mehr Sonneneinstrahlung am Boden, was die Erwärmung zusätzlich antreibt. Auch die geografische Nähe zur Arktis spielt eine Rolle. Denn die Arktis ist das Epizentrum eines gefährlichen Kreislaufs: Durch schmelzendes Eis sinkt die Rückstrahlkraft des Bodens, dunkle Flächen wie Wasser und Felsen absorbieren mehr Wärme. Das treibt die Temperatur weiter nach oben – ein sich selbst verstärkender Effekt.

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Globale Erwärmung, lokal spürbar

Während in Teilen des Atlantiks oder des Südpazifiks sogar lokale Abkühlung gemessen wird, steigen die Temperaturen fast überall – vor allem auf Landflächen. Besonders betroffen sind Mittel- und Osteuropa, Skandinavien, der Nahe Osten und natürlich die Arktis. Diese regionale Ungleichheit zeigt: Der Klimawandel ist kein gleichmäßiger Prozess, sondern von lokalen Rückkopplungen, Windmustern und menschlichem Einfluss geprägt. Für Europa bedeutet das: Die Klimakrise trifft uns nicht irgendwann, sie ist längst da – und sie trifft uns früher und härter als viele andere Regionen. Wer das Klima verstehen will, muss die regionalen Unterschiede kennen. Und wer handeln will, sollte nicht warten, bis der Hitzerekord vor der eigenen Haustür liegt.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/AFP | Thibaud Moritz

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