Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Deutschland mitten im Winter tiefrot: Alarmkarte zeigt bedrohliches Wetter-Phänomen
Mitten im Winter färbt sich Deutschland tiefrot: Eine Karte zeigt extreme Bodentrockenheit zur völlig falschen Jahreszeit. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Kassel – Diese Karte wirkt wie ein Warnsignal aus dem Juli: Große Teile Deutschlands leuchten gelb, orange und tiefrot. Der Gesamtboden ist vielerorts deutlich zu trocken, und das ausgerechnet im Januar. Normal wäre jetzt eine Phase der Auffüllung, in der Regen, Schnee und geringe Verdunstung die Wasserspeicher regenerieren.
Doch genau das bleibt aus. Seit Wochen dominieren Hochdrucklagen, Niederschläge fallen regional kaum, Böden trocknen weiter aus. Solche Muster kennt man sonst aus Dürresommern, nicht aus der Kernwinterzeit. Das allein macht Experten nervös, denn der Winter entscheidet über die Ausgangslage für das gesamte Wasserjahr in Deutschland. Frühzeitige Defizite sind besonders schwer aufzuholen, selbst bei späterem Regen.
Wetter in Deutschland: Boden extrem ausgetrocknet
Ist das noch normal? Kurz gesagt: nein. Zwar gab es auch früher trockene Winter, doch die Häufung und Intensität solcher Phasen nimmt zu. Der Dürremonitor zeigt, dass selbst tiefere Bodenschichten betroffen sind. Das bedeutet, dass nicht nur Pflanzen an der Oberfläche leiden, sondern auch Grundwasser und langfristige Reserven unter Druck geraten.
Klimawandel, wärmere Winter und veränderte Zirkulationsmuster verschieben die Jahreszeiten. Der Winter verliert zunehmend seine Funktion als verlässlicher Wasserspender. Diese Entwicklung ist statistisch belegt und deckt sich mit Beobachtungen aus ganz Mitteleuropa. Was früher Ausnahme war, wird immer häufiger zur neuen Normalität, mit spürbaren Folgen für Landwirtschaft, Wälder und Städte. Und auch der DWD meldet Pollenflug mitten im Winter.
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Winter-Wetter in Deutschland besonders trocken: Auch Sommer in Gefahr
Wenn der Winter schon so trocken startet, schrillen die Alarmglocken für den Sommer. Ohne aufgefüllte Böden fehlt die Reserve für Hitzeperioden. Dürren können früher beginnen, länger andauern und extremer ausfallen. Ernteausfälle, Waldbrände und Wasserrestriktionen werden wahrscheinlicher. Ein einzelner nasser Monat reicht dann oft nicht mehr aus.
Die Karte ist deshalb kein Momentbild, sondern ein Frühwarnsystem. Sie zeigt, wie verletzlich das System geworden ist. Die entscheidende Frage lautet: Kommt rechtzeitig genug Wasser, oder steuern wir auf den nächsten Dürresommer zu? Jetzt wäre Zeit für einen nassen, kalten Winter, doch die Zeichen stehen anders. Handeln, Anpassen und Vorsorgen werden immer wichtiger für Politik und Gesellschaft.
Rubriklistenbild: © UFZ-Dürremonitor/ Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung
