Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Frühlings-Wetter mitten im Dezember – was ist jetzt mit Jahrhundertwinter und Co?
Vor dem Kälteeinbruch wurde ein Jahrhundertwinter prognostiziert. Nun wird das genaue Gegenteil erwartet. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Hamm – Der Dezember startet in großen Teilen Europas mit einem beeindruckenden Wärmeschub, der sich über viele Tage festsetzt. Statt winterlicher Kälte dominiert eine ausgeprägte Westwetterlage, die milde und feuchte Atlantikluft nahezu ungehindert heranführt. Diese Strömungslage sorgt nicht nur für ungewöhnlich hohe Temperaturen, sondern auch für häufige Niederschläge und windige Phasen.
Die Wetter-Modelle deuten darauf hin, dass diese Dynamik mindestens bis in die Woche zwischen dem zweiten und dritten Advent bestehen bleibt. Besonders auffällig sind die deutlichen positiven Temperaturabweichungen, die in den aktuellen ECMWF-Ensembles klar hervortreten und regional Werte erreichen, die eher zum Frühling passen.
Frühling statt Winter-Wetter: Geschwächter Polarwirbel verändert die Spielregeln
Der Blick in die Stratosphäre zeigt, dass der Polarwirbel derzeit weder besonders stark noch strukturell stabil aufgestellt ist. Dennoch gelingt es ihm nicht, Kaltluft weit nach Süden zu drücken. Stattdessen fördert seine aktuelle Form einen kräftigen zonalen Westfluss, der sich über den Nordatlantik bis tief nach Europa hineinerstreckt. Dadurch bleibt die arktische Kälte gebunden, während milde Luftmassen ungehindert vordringen.
Diese Konstellation deckt sich auffällig gut mit den langfristigen NOAA-Prognosen, die bereits im Herbst auf einen überwiegend milden Winter hingedeutet hatten. Diese Modelle scheinen erneut eine bemerkenswerte Trefferquote zu zeigen.
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Warum sich der Trend so schnell drehen konnte
Noch vor wenigen Wochen kursierten Schlagzeilen, die einen frühen Wintereinbruch verheißungsvoll in Aussicht stellten. Doch diese kurzfristigen Szenarien wurden von der großräumigen Dynamik überrollt. Der verstärkte Atlantikeinfluss, die fehlende Blockierung über Nord- und Nordosteuropa und die stabile Frontalzone sorgen nun für nachhaltig zu warme Bedingungen.
Solange sich an dieser Struktur nichts ändert, bleibt der Winter auf Abstand. Ob sich später im Dezember oder erst im Januar ein ernsthafter Kälteschub durchsetzen kann, hängt entscheidend davon ab, wie sich der Polarwirbel weiter entwickelt und ob es zu einer Störung kommt, die den Westfluss abschwächen könnte.
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