Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

„Beispielloses Desaster“: Hurrikan „Melissa“ könnte Karibikinsel völlig verwüsten

Wirbelsturm „Melissa“ zieht bedrohlich langsam auf Jamaika zu – und könnte für enorme Verwüstung sorgen. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Kingston – Hurrikan Melissa hat sich aufgebläht. Mit Windgeschwindigkeiten von über 250 km/h und Böen, die noch weit darüber liegen, rast das System in Zeitlupe auf Jamaika zu. Der Sturm bewegt sich mit nur rund 6 km/h – ein Tempo, das ihn besonders gefährlich macht.

Ein echtes Monster: Hurrikan Melissa in einer Satellitenaufnahme der US-Wetterbehörde NOAA am Montagabend (27. Oktober) um 19 Uhr MEZ.

Denn diese quälend langsame Bewegung bedeutet, dass die zerstörerische Kraft stundenlang über denselben Regionen wüten kann. Ganze Landstriche werden Melissa nicht nur streifen, sondern komplett überrollt werden. Schon jetzt gilt: Das, was in den nächsten 24 Stunden geschieht, wird die Geschichte Jamaikas verändern.

Hurrikan „Melissa“ rauscht auf Karibikinseln zu: Orkanwinde, Sturmflut und Verwüstung

Wenn der Kern des Sturms am Dienstag (28. Oktober) auf die Insel trifft, wird Jamaika den Zorn der Natur spüren. Orkanböen über 250 km/h können selbst massive Gebäude zerstören, Strommasten knicken wie Streichhölzer, ganze Dächer fliegen durch die Luft.

Die Küstenregionen werden zusätzlich von einer Sturmflut bis zu vier Metern Höhe heimgesucht – begleitet von haushohen Wellen, die mit unbändiger Wucht auf das Land treffen. Küstenstädte wie Kingston oder Port Royal könnten in einem einzigen Moment von Wasser, Wind und Chaos verschlungen werden. Experten sprechen von einem „beispiellosen Desaster“, das alles Bisherige übertrifft.

Rekord-Hurrikan „Melissa“ fegt mit fast 300 km/h über Karibik-Insel – Die Bilder des verheerenden Tropensturms

Hurrikan Melissa Tropensturm der Kategorie 5.
Meteorologe Dominik Jung warnt vor einem „Hurrikan der Superlative“ und betont die besondere Gefahr der geringen Zuggeschwindigkeit: „Die extremen Windfelder werden über viele Stunden nahezu stationär über denselben Regionen liegen – ein Szenario, das wir Meteorologen als maximale Verwüstung einstufen.“
Hurrikan Melissa am 27. Oktober, um 12 Uhr (UTC) Mittags, südöstlich von Jamaika. Das Auge ist gut zu erkennen.
Landfall des Hurrikans „Melissa“ in Jamaika.
Rekord-Hurrikan „Melissa“ fegt mit fast 300 km/h über Karibik-Insel – Die Bilder des verheerenden Tropensturms

Als wäre der Wind nicht genug, bringt Melissa auch Regenmassen von bis zu 800 Litern pro Quadratmeter. Innerhalb weniger Stunden wird aus Bächen reißendes Wasser, aus Straßen werden Flüsse. Erdrutsche, Sturzfluten und unkontrollierbare Überflutungen werden das Land verwüsten. Besonders in den Bergen drohen massive Schlammlawinen, die ganze Dörfer begraben könnten. Der Sturm zieht kaum weiter – das bedeutet: Jamaika wird über Stunden hinweg von Regen, Wind und Sturmflut gleichzeitig heimgesucht. Die Insel verwandelt sich buchstäblich in ein Katastrophengebiet, in dem jede Minute neue Verwüstung bringt.

Hurrikan „Melissa“: Regierung ordnet Evakuierungen an

Die Regierung hat flächendeckend Evakuierungen angeordnet, doch vielerorts ist es schon zu spät. Straßen sind unpassierbar, Flughäfen geschlossen, Rettungskräfte können kaum noch ausrücken. Melissa wird Leben fordern – und sie wird Spuren hinterlassen, die Jahrzehnte sichtbar bleiben.

Strom- und Kommunikationsnetze drohen komplett zusammenzubrechen, Trinkwasserversorgung und medizinische Hilfe werden in weiten Teilen der Insel zum Stillstand kommen. Nichts wird mehr so sein wie vorher. Jamaika steht vor Stunden, in denen ein ganzes Land um sein Überleben kämpft – im Griff eines der zerstörerischsten Hurrikane seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Rubriklistenbild: © US-Wetterbehörde NOAA, GOES-19

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