Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Rekord-Wetter im Dezember kommt: Warum Deutschland ab Nikolaus hunderte Millionen Euro Heizkosten spart

Ab Nikolaus rauscht Warmluft nach Deutschland und drückt den Heizbedarf brutal nach unten. Experten rechnen mit Einsparungen. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

München – Ab dem Nikolaustag (6. Dezember) dreht die Atmosphäre auf Frühling – mitten im Advent. Die Prognosen zeigen Tageshöchstwerte, die teils zehn Grad über dem normalen Dezemberniveau liegen, begleitet von Nächten, die fast durchgehend frostfrei bleiben. Was wie ein kurioser Wettereffekt klingt, entwickelt sich schnell zu einem finanziellen Kraftpaket für das ganze Land. Denn genau dieser Zeitraum zählt traditionell zu den teuersten Heizwochen des Jahres. Wenn die Temperaturen aber so ungewöhnlich mild bleiben, sackt der Heizbedarf dramatisch ab.

Das ist gigantisch: zwischen dem 2. und 3. Advent ist es von Russland bis nach Spanien in fast ganz Europa deutlich zu warm für die Jahreszeit.

Modellbasierte Abschätzungen aus früheren Warmphasen zeigen, dass Deutschland in zwei Wochen dieser Intensität zwischen zwölf und 20 Terawattstunden weniger Heizenergie verbrauchen könnte. Das entspricht einer Ersparnis von 400 bis 700 Millionen Euro – ein Energiebonus, der direkt im Portemonnaie der Haushalte landet. Noch krasser formuliert: Das warme Advents-Wetter spart Energie im Wert eines ganzen Kernkraftwerksjahres – in gerade mal 14 Tagen.

Heizkosten im Winter: Wetter lässt Verbrauch massiv sinken

Während viele auf die ungewöhnlichen Tageswerte starren, sind es in Wahrheit die warmen Nächte, die das Energiewunder auslösen. Normalerweise heizen kalte Dezembernächte die Verbrauchskurven gewaltig hoch. Doch wenn das Thermometer jetzt weit über null bleibt, müssen die Heizsysteme kaum arbeiten. Häuser verlieren deutlich weniger Wärme, Gasthermen springen seltener an und Wärmepumpen laufen im Effektivmodus. Genau diese Kombination sorgt dafür, dass der Verbrauch wie ein Stein fällt. Energieexperten betonen, dass solch milde Adventswochen den Heizbedarf so stark beeinflussen können wie kaum ein anderer Faktor im Winter. Für viele Versorger ist dieser Dezember deshalb ein völlig unerwarteter Entlastungseffekt.

Der stille Gewinner: Deutschlands Gasspeicher

Während draußen fast frühlingshafte Luft weht, passiert im Untergrund ein kleines technisches Wunder. Die deutschen Gasspeicher, die zu dieser Jahreszeit normalerweise sichtbar sinken, bleiben dank des milden Wetters nahezu stabil. In extrem warmen Phasen wie dieser können sie sogar seitwärts laufen, also über Tage hinweg kaum an Füllstand verlieren. Das bedeutet: deutlich geringere Entnahmen, weniger Importdruck und eine spürbare Dämpfung der Großhandelspreise.

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Polarlichter, auch als Aurora Borealis (Nordlicht) oder Aurora Australis (Südlicht) im Bundesstaat New York.
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Ein Tornado über dem Gardasee.
Kim Vanaken (L) und Schwester Angela Coble (M) vor ihrem zerstörten Haus durch El Reno, Oklahoma, USA, 01 June 2013.
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Für Politik und Versorgungssicherheit ist dieser Dezember ein Glücksfall, denn je voller die Speicher bleiben, desto entspannter wird die gesamte Heizsaison. Und wenn der Winter wirklich erst spät kommt, könnte Deutschland mit komfortablen Reserven hineingehen – ein Szenario, das vor wenigen Wochen kaum jemand für möglich hielt. Trotz historischer Wärme könnte Deutschland noch ein echtes Winter-Wetter blühen.

Rubriklistenbild: © METEORED/www.daswetter.com

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